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RettungspakEte
Alexander Heinrich/dpa
Chronik einer Krise

Seit 2010 haben Euro-Staaten und IWF Griechenland mit Krediten in Höhe von 240 Milliarden Euro ausgeholfen

Im Herbst 2009 legt der griechische Premier Papandreou die Karten auf den Tisch: Statt der von der Vorgängerregierung angegebenen sechs Prozent beträgt das Haushaltsdefizit knapp 13 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die hellenische Republik hat über ihre Verhältnisse gelebt und sitzt nun auf einem – von diversen Regierungen – angehäuften Schuldenberg von rund
350 Milliarden Euro. Athen kommt nun kaum noch an Kredite. Seither haben die Euro-Staaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) Griechenland mit Darlehen im Umfang von rund 240 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen (davon wurden bisher rund 230 Milliarden Euro abgerufen): Zunächst 2010 mit Krediten im Umfang von insgesamt 110 Milliarden Euro, im Jahre 2012 dann mit einem zweiten Rettungspaket im Umfang von rund 130 Milliarden Euro, verbunden mit einem Schuldenschnitt im Umfang von mehr als 100 Milliarden Euro, bei dem private Gläubiger auf etwas mehr als die Hälfte ihrer Forderung verzichteten.

Ab 2010 richteten EU und Euro-Länder einen Rettungsschirm ein (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, EFSF, 2012 dann abgelöst vom Europäischen Stabilitätsmechanismus, ESM). Diese Schirme sollen vom Zahlungsausfall bedrohte Euro-Länder mit Bürgschaften und Krediten stützen, darunter zwischenzeitlich Spanien, Portugal und Irland und bis heute Griechenland und Zypern. Der ESM hat eine Ausstattung von rund 700 Milliarden Euro, der deutsche Anteil beträgt
27 Prozent. Dies entspricht knapp 22 Milliarden Euro an eingezahltem und rund 168 Milliarden Euro an abrufbarem Kapital.

Im Gegenzug zu den Hilfen musste sich Athen – so wie die anderen „Programmländer“ auch – auf strikte Haushaltskonsolidierung verpflichten. Damit hielt auch das Dreigespann aus Vertretern der Europäischen Kommission, Europäischen Zentralbank und des IWF Einzug in Athen, die die Umsetzung der gemeinsam vereinbarten sogenannten Anpassungsmaßnahmen kontrollieren sollten. Gerade diese Auflagen wurden von vielen Griechen als zu rigide, die Kontrolle durch die „Troika“ als Zumutung empfunden.

Zu den von verschiedenen griechischen Regierungen seit 2010 durchs Parlament gebrachten Sparpaketen gehören deutliche Kürzungen im Gesundheitsbereich, bei Renten und Arbeitslosengeld, Gehaltskürzungen und Stellenstreichungen im Öffentlichen Dienst, die Heraufsetzung des Rentenalters auf jetzt 67 Jahre und die Absenkung des Mindestlohns.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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