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EDITORIAL
Jörg Biallas
Bürger für Bürger

Kein anderer Bereich des öffentlichen Lebens tangiert unser Dasein so unmittelbar wie das Kommunale. Tagesstätten und Schulen für die Kinder, Wohnungen für Familien, Einrichtungen für kranke, arme oder alte Menschen, Infrastruktur für Wirtschaft und private Freizeit. Kurzum: Die Weichen für das Leben in den Städten und Gemeinden werden vor Ort gestellt.

Das hat gute Gründe. Schließlich wissen die Bürger selbst am besten, was ihrer Kommune gut tut - und was nicht. Und so setzen die Rathäuser und Kreisverwaltungen die Beschlüsse der jeweiligen Ratsversammlungen um.

Die werden mitunter erst nach mit Streit erfüllter, manchmal auch unerklärlich lang andauernder Debatte gefasst. Das führt schnell zu einem Image-Problem der kommunalen Selbstverwaltung. Inkompetent, tönt es dann durch die Lokalpresse, seien die örtlichen Politiker, die zudem gern mit einem Begriff belegt werden, der Hohn und Spott ausdrücken soll: Feierabend-Politiker.

Tatsächlich ist dieser Begriff das Gegenteil eines Schimpfwortes. Denn wer sich in seiner Freizeit nicht nur um eigene Interessen, sondern auch um ein gedeihliches Zusammenleben in der Gemeinschaft kümmert, verdient Beifall und Respekt.

Ein Blick in die Regelungen zur Aufwandsentschädigung für Kommunalpolitiker entkräftet übrigens nachdrücklich das gern zitierte Vorurteil, politisches Engagement sei ein einträgliches Geschäft. In aller Regel überwiegt der zeitliche Aufwand den finanziellen Nutzen in einem Maß, das schon fast beschämend ist.

Warum also engagieren sich Bürger in der Lokalpolitik? Weil ihnen der Ort, in dem sie leben, wichtig ist. Das ist längst nicht selbstverständlich. Gerade viele kleinere Kommunen können ein Lied davon singen, wie schwierig es ist, Ehrenamtliche zu rekrutieren. Wenn dann der Feuerwehrchef oder die Sportvereinsvorsitzende notgedrungen für das Bürgermeisteramt kandidieren müssen, weil sich niemand anderes findet, ist das ein Armutszeugnis für die Demokratie.

Die Kommunen sind ein wichtiges Glied in der Kette, die unsere Gesellschaftsordnung ausmacht. Das Zusammenspiel von professioneller Kommunalverwaltung und ehrenamtlichem Bürgerengagement ist ein Erfolgsmodell. Es sollte gehegt werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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