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Landwirtschaft
Jan Eisel
Eintagsküken sollen leben

Das Töten männlicher Eintagsküken soll beendet werden. Darin waren sich die Fraktionen des Bundestags am vergangenen Donnerstag in einer Debatte über die Zukunft der Hühnerhaltung einig. Der Umweltminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen), hatte sich für ein bundesweites Tötungsverbot auf Grundlage zweier Anträge der Grünen-Fraktion (18/4328, 18/7878) eingesetzt, weil "Tiere kein Abfallprodukt sind". Jährlich würden rund 50 Millionen männliche Küken bei der Produktion von Legehennen getötet, weil sich deren Mast nicht rentiere.

Im Namen der Unionsfraktion pflichtete Dieter Stier (CDU) bei, dass "wir alle diese Praxis beenden wollen". Deshalb treibe Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) "Tierschutzlösungen" voran, "die nicht mit der Brechstange und mit Verboten, sondern zusammen mit den Brütereien" durchgesetzt werden sollen. Andernfalls werde die Produktion nur ins Ausland abwandern. Stier baute auf die frühzeitige Geschlechtsbestimmung befruchteter Hühnereier. Ein technisches Verfahren, das eine Aussortierung entsprechender Eier bereits ab dem dritten Bruttag ermöglichen soll, werde bis zum Jahr 2018 zur Verfügung stehen.

Diesen Optimismus teilte Kirsten Tackmann (Die Linke) nicht, weil das zu teuer sei. Tackmann glaubte, dass die Forschung nur eine Ausrede ist, um nicht an einer eindeutigen Regelung arbeiten zu müssen. Sie plädierte für die Etablierung von Zweinutzungshühnern. Solche Tiere würden sowohl für die Eierproduktion als auch für die Mast taugen. Die Markteinführung soll durch die Förderung der Züchtung neuer Rassen sowie eine Umlage entstehender Mehrkosten auf die Handelskonzerne gelingen. Auch Christina Jantz-Herrmann (SPD) sprach sich für Zweinutzungshühner aus, denn "die Tötung männlicher Eintagsküken ist nicht mit dem Staatsziel des Tierschutzes vereinbar". Mit Blick auf Verbotsinitiativen grüner Landwirtschaftsminister forderte die Sozialdemokratin, dass ein für die Bundesrepublik einheitlicher Ansatz gefunden werden muss, weil sonst ein Flickenteppich drohe. Gegen das Votum der Opposition wurde ein Antrag (18/4328, 18/7726) abgelehnt, männliche Eintagsküken leben zu lassen. Ein weiterer Antrag (18/7878) wurde an den Agrarausschuss überwiesen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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