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Kristin Lenz
Zum Tod von Imre Kertész

Die literarische Welt trauert um den ungarischen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Imre Kertész. Er starb vergangenen Donnerstag mit 86 Jahren nach langer Krankheit in seiner Geburtsstadt Budapest. Kertész wurde dort 1929 als Kind einer jüdischen Familie geboren. Als Jugendlicher überlebte er die nationalsozialistischen Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Die Erlebnisse aus dieser Zeit ließen ihn nie wieder los und flossen in seine zahlreichen Werke ein, auch in sein berühmtes Hauptwerk "Roman eines Schicksallosen". Zugleich beschäftigte sich Kertész in seinen Romanen und Essays intensiv mit dem totalitären Sozialismus, den er als Erwachsener in Ungarn erlebte. 2002 erhielt Kertész als erster Ungar den Literaturnobelpreis. In den 2000er-Jahren lebte er längere Zeit in Berlin. 2012 zog er nach Budapest zurück.

Als Gastredner des Bundestages las Imre Kertész am 29. Januar 2007 zum Gedenktag der Auschwitz-Befreiung aus seinem Werk "Kaddisch für ein nicht geborenes Kind". Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) würdigte den Verstorbenen in einem Kondolenz-Schreiben an dessen Witwe als "herausragenden Schriftsteller", der den "Opfern der Shoah eine Stimme gegeben hat - eine Stimme, die seinen Tod überdauert."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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