Inhalt

CHRONIK
Helmut Stoltenberg
Staatenbildungen in Nahost

Wie statt eines arabischen Großreichs eine Handvoll neuer Länder entstanden

1915/16 Der Scherif Hussein von Mekka aus der Haschemiten-Dynastie schließt sich nach der englischen Zusage der Unabhängigkeit Arabiens (Hussein-McMahon-Korrespondenz) im Ersten Weltkrieg den Briten im Kampf gegen das Osmanische Reich an. Im Sykes-Picot-Abkommen wird die Region in Einflusssphären von Großbritannien (Mesopotamien, Palästina und Jordanien) und Frankreich (Syrien) aufgeteilt.

1917 In der Balfour-Deklaration erklärt Großbritannien seine Unterstützung, in Palästina eine "nationale Heimstätte für das jüdische Volk" zu errichten.

1920 Wie auf der Konferenz von San Remo im April von Großbritannien, Frankreich und Italien beschlossen, muss die Türkei im Friedensvertrag von Sèvres im August unter anderem Syrien an Frankreich sowie Mesopotamien und Palästina an England abtreten, das auch die Schutzherrschaft über Arabien erhält. Entsprechende Mandate werden 1922 vom Völkerbund ratifiziert. Feisal, Sohn des Scherifen Hussein von Mekka, wird vom syrischen Nationalkongress zum König des Landes gewählt, aber von den Franzosen vertrieben.

1921 Feisal wird auf britischen Vorschlag hin zum König des Irak proklamiert, muss aber die englische Herrschaft über das Land anerkennen. Sein Bruder Abdallah wird Emir von Transjordanien (heute: Jordanien) unter britischem Protektorat.

1923 Die Briten trennen Transjordanien von Palästina.

1924 Scherif Hussein flieht vor dem im Inneren der arabischen Halbinsel herrschenden Wahhabiten Abd al-Aziz ibn Saud, der das westlich davon gelegene Gebiet um Mekka und Medina erobert.

1926 Der Libanon, Teil des französischen Mandatsgebiets, wird Republik.

1927 Die Briten erkennen die Unabhängigkeit des 1926 proklamierten Königreichs von Ibn Saud an.

1930 Großbritannien erkennt die Unabhängigkeit des Iraks an, der seit fünf Jahren eine konstitutionelle Monarchie ist. London sichert sich aber weiter wirtschaftlichen Einfluss und Militärstützpunkte im Zweistromland.

1932 Ibn Saud proklamiert das Königreich Saudi-Arabien.

1941 Syrien und Libanon werden autonom.

1943/44 Die Unabhängigkeit des Libanon und Syriens wird anerkannt, die letzten französischen Truppen werden im Jahr 1946 abgezogen.

1946 Transjordanien erhält die Unabhängigkeit; Abdallah I. nimmt den Königstitel an.

1948 Mit dem Ende des britischen Mandats in Palästina kommt es im Mai zur Proklamation des Staates Israel und zum ersten arabisch-israelischen Krieg, an dem neben Ägypten und Saudi-Arabien auch der Irak, Syrien, Transjordanien und der Libanon teilnehmen und der im 1949 mit deren Niederlage endet.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag