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gesundheit I
Claus Peter Kosfeld
Medikamente im Praxistest

Arzneimittelstudien mit Hilfe von Anwendungsbeobachtungen (AWB) werden in Fachkreisen weiter kritisch gesehen. In einem Expertengespräch vergangene Woche im Gesundheitsausschuss wurde aber auch deutlich, dass sich Auflagen und Transparenz für solche Untersuchungen deutlich verbessert haben. Nach Ansicht von Kritikern können sich Ärzte mit Scheinstudien ein Zusatzeinkommen sichern und als Gegenleistung bestimmte Medikamente vermehrt verschreiben. Das wäre dann Korruption (siehe Beitrag links).

Mit Anwendungsbeobachtungen sollen praxisrelevante Erkenntnisse über bereits zugelassene Arzneimittel zusammengetragen werden. Nach Ansicht der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft muss davon ausgegangen werden, dass einige dieser Studien ohne wissenschaftlichen Zweck und vor allem aus Gründen des Marketings in Auftrag gegeben werden. Der Vorsitzende der Kommission, Wolf-Dieter Ludwig, sprach sich im Ausschuss dafür aus, ein unabhängiges Gremium damit zu beauftragen, die Studien vorher zu prüfen, um sicherzugehen, dass sie wissenschaftlich Sinn machten. Der mögliche Missbrauch müsse effektiver bekämpft werden. Um die Sicherheit von Arzneimitteln zu überprüfen, seien seriöse Studien jedoch sehr wichtig.

Wie Sibylle Steiner von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sagte, werden die AWB genau dokumentiert. Auch die teilnehmenden Ärzte und die gezahlte Entschädigung würden erfasst. Die Angaben gingen an die Kassenärztlichen Vereinigungen, um das Verordnungsverhalten teilnehmender Mediziner prüfen zu können. Gut geplante AWB seien sinnvoll als Ergänzung klinischer Studien.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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