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MEDIEN
Alexander Weinlein
Sozialer, weiblicher

Linke fordert Auflagen bei Filmförderung

Das Urteil der Linksfraktion über die deutsche Filmförderung ist vernichtend: In ihrem Antrag (18/8073) zur anstehenden Novellierung des Filmförderungsgesetzes, über den der Bundestag am vergangenen debattierte, moniert die Linke, bei der Förderung werde nicht auf die Einhaltung von sozialen Mindeststandards bei Filmproduktionen geachtet, weibliche Filmschaffende würden auf "inakzeptable Weise benachteiligt" und trage nicht zur Vielfalt der Genres bei. "Der Dokumentarfilm, der Kurzfilm, der Animationsfilm und der originäre Kinderfilm fristen inzwischen eine Randexistenz", heißt es im Antrag. Im Gegenzug würden allzu oft gewinnträchtige Blockbuster wie "Fuck you Göthe 2" gefördert, sagte der medienpolitische Sprecher der Linken, Harald Petzold.

Nach dem Willen der Linksfraktion sollen Filmproduktionen zukünftig nur noch dann gefördert werden, wenn mindestens die geltenden Tariflöhne beziehungsweise der Mindestlohn an alle Beschäftigten gezahlt wird. Zudem sollen 50 Prozent der Fördergelder an Filme fließen, bei denen Frauen in den Bereichen Produktion, Regie oder Drehbuch vertreten sind. Die Fördermittel für Kurz-, Dokumentar-, Animations- und Kinderfilme müssten zudem deutlich erhöht werden, forderte Petzold.

Die Kulturpolitiker der Koalitionsfraktionen Marco Wanderwitz (CDU) und Burkhard Blienert (SPD), wollten den von der Linksfraktion skizzierten "Problemberg" nicht erkennen. Gerade das vergangene Jahr habe gezeigt, wie erfolgreich die Filmförderung arbeite. Der deutsche Film habe in Deutschland einen Marktanteil von 27,5 Prozent erreicht, sagte Wanderwitz. Dies sei eine gute Grundlage, auf die bei der anstehenden Novellierung des Filmförderungsgesetzes aufgebaut werden könne.

Wanderwitz und Blienert verwiesen auf den von der Bundesregierung vorgelegten Gesetzentwurf zur Novellierung des Filmförderungsgesetzes. Darin werde beispielsweise für den Verwaltungsrat der Filmförderanstalt eine Mindestanzahl von Frauen festgeschrieben. Der Linken-Antrag sei nicht mehr auf der Höhe der Zeit, sagte Blienert.

Die medienpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Tabea Rößner, attestierte der Linken, die Probleme der Filmförderung richtig zu beschreiben, ihre Schlussfolgerungen seien jedoch "widersprüchlich". Eine Erhöhung der Mittel für die Referenzmittel führe eben nicht automatisch zu mehr Vielfalt, da dann nur bereits erfolgreiche Produktionen erneut gefördert würden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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