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Sicherheit
Sören Christian Reimer
Privater Surfen im World Wide Web

Mit ein paar Tricks und Kniffen lässt sich etwas mehr Souveränität über die eigenen Daten erlangen

Sich um den Schutz der eigenen Daten im Netz zu kümmern erfordert einige Mühe und die Bereitschaft, sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die auf den ersten Blick extrem spröde und zugleich relativ kompliziert wirken. Aber es lohnt sich: Mit Muße und einem klickfreudigen Finger kann der Nutzer es schaffen, mehr Souveränität über die Daten im Netz zu erlangen.

Das beginnt schon mit dem Betriebssystem. Auf dem heimischen Rechner gilt insbesondere das neue Windows 10, das auch auf Tablets und Smartphones angeboten wird, als Datenkrake. Wer das Betriebssystem in seinen Standardeinstellungen belässt, der teilt recht viele Informationen mit dem Softwareriesen. Über die Datenschutzeinstellungen lässt sich beispielsweise einschränken, wie viele Daten zum Nutzungsverhalten als "Feedback" an den Konzern übermittelt werden. Auch der Zugriff von installierten Apps auf Kontakte, Kalender und Positionsdaten kann hier gegebenenfalls eingeschränkt werden.

Von den Einstellungen am jeweiligen Gerät ist es dann ein kurzer Schritt zum eigentlichen Nutzerkonto. Hier lassen sich zum Beispiel Einstellungen zu personalisierter Werbung und geräteübergreifender Synchronisation bearbeiten. Das gilt nicht nur für Microsoft, sondern zum Beispiel auch für Nutzer von Google-Diensten auf dem Computer oder Smartphone.

Apps und Daten Apropos Smartphones: Auch die beliebten Apps wollen gern Zugriff auf persönliche Daten, mal aus naheliegenden Gründen, wenn die Navigations-App etwa auf den Standort zugreifen will, mal, um viele Daten für das Marketing zu erhalten. In den jeweiligen App-Stores werden die erforderlichen Zugriffsrechte in der Regel grob angezeigt. Wer Details will, muss ein bisschen suchen. Inwieweit diese Zugriffsrechte im Nachgang eingeschränkt werden können, ist systemabhängig. Bei Apple und Microsoft lässt sich dies in Teilen besser gestalten als im Google-Mobilsystem Android. Wer seiner Privatsphäre den Vorrang geben will, muss im Zweifel auf eine App verzichten - oder weniger datenhungrige Alternativen nehmen.

Auch beim ganz normalen Surfen im Netz hinterlässt der Nutzer immer Spuren. Gespeichert werden diese in sogenannten "Cookies", die von Webseiten auf dem jeweiligen Rechner angelegt werden. Das ist dann nützlich, wenn zum Beispiel Zugangsdaten abgespeichert werden, um nicht jedes Mal erneut Benutzername und Passwort eingeben zu müssen. Problematisch wird es dann, wenn Drittanbieter Webseiten übergreifend ("Tracking") Informationen sammeln und anderen zur Verfügung stellen. So lassen sich genaue Profile erstellen und Nutzer identifizieren, um dann beispielsweise passgenaue Werbung anzuzeigen. Diese Datensammlungen vom Rechner zu bekommen, ist mitunter aufwändig. Browser-Erweiterungen wie "Ghostery", "BetterPrivacy" und "No-Script" bieten zumindest die Möglichkeit, Verfolgung nachzuvollziehen und gegebenenfalls zu unterbinden. Wer ganz offiziell aus einem Teil des Tracking-Werbungs-Business aussteigen möchte, kann über diverse Webseiten der Anbieter seinen Ausstieg erklären (z.B. www.youronlinechoices.com).

Soziale Medien Datenschutz spielt auch im Umgang mit Sozialen Medien eine große Rolle. Das beginnt beim Posten und Co.: Kein soziales Netzwerk zwingt Nutzer dazu, ganze Lebensläufe und Werdegänge einzustellen. Niemand nötigt die Nutzer dazu, illustre Party- und Urlaubsfotos mit der Chefin, dem Opa oder dem Ex-Freund zu teilen. Faktisch lässt sich bei den persönlichen Daten "schummeln", auch wenn etwa Facebook eigentlich eine Klarnamenpflicht hat. Zudem lässt sich inzwischen sehr detailliert steuern, was andere Nutzer des Netzwerkes sehen können. Klar ist aber auch: Facebook will Daten und zeigt das auch recht offen. Personalisierte Werbung lässt sich zwar im Zweifel abstellen, wer aber ein Problem damit hat, dass Nutzungs- und Kommunikationsdaten von dem Riesenunternehmen gespeichert werde, muss dem Netzwerk den Rücken kehren. Ein Blick in die Einstellungen zur Privatsphäre lohnt sich auf jeden Fall.

Weitere Tipps gibt es zum Beispiel auf www.klicksafe.de, einem Angebot der EU vor allem für Jugendliche. oder auf www.verbraucher-sicher-online.de der Technischen Universität Berlin.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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