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Verkehr
Christoph Birnbaum
Wie von Geisterhand gesteuert

Selbstfahrende Autos sollen zukünftig Staus vermeiden helfen

Aus den großen Containerterminals der Welthäfen, aber auch aus vielen Hochregallagern kennen wir sie bereits: selbstfahrende Transporter, die wie von Geisterhand gesteuert ihre geschulterten Metallkisten an den vorherbestimmten Standort bringen. Nun soll es schon bald Zuwachs im öffentlichen Straßenraum geben: Besonders in den USA sind die ersten autonomen Autos unterwegs:

Im Frühjahr vergangenen Jahres stellte Google sein erstes selbstfahrendes Fahrzeug vor. Und auch in Deutschland ist Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nicht untätig geblieben: Jetzt sollen auch deutsche Autobauer eine Möglichkeit bekommen, ihre Autos der Zukunft auf die Straße zu bringen. Eine erste Teststrecke für selbstfahrende Autos in Bayern auf der Autobahn A9 nimmt jetzt nach und nach ihren Betrieb auf.

Teststrecke in Bayern Auf ihr werden Fahrzeuge mit so genannten Assistenzsystemen genauso getestet werden, wie später auch vollautomatische Autos. Schon heute können etwa Fahrzeuge mit einem Spurassistenten automatisch mittig auf der richtigen Fahrbahnseite gehalten werden oder aber vollautomatisch im innerstädtischen Verkehr in eine Parklücke einparken. Jetzt sollen sie auch gänzlich eigenständig im normalen Verkehr mithalten können. Dazu wird die neue Teststrecke technisch so ausgerüstet, dass es dort zusätzliche Angebote der Kommunikation zwischen Straße und Fahrzeug wie auch von Fahrzeug zu Fahrzeug geben wird. So könnten die Autos beispielsweise frühzeitig informiert werden, wenn sich vor ihnen ein Unfall ereignet hat. Selbstfahrende Auto werden in Zukunft auch keinen großen Sicherheitsabstand brauchen. So können Staus vermieden werden.

Der Verkehrsminister ist dabei überzeugt, dass schon bald die Wertschöpfung eines Autos sich immer weniger über die Motorleistung und immer stärker über den Anteil an Digitalisierung definieren wird. Mithilfe von Ausnahmegenehmigungen testen Daimler und BMW ihre autonomen Fahrzeuge auch jetzt schon vereinzelt auf deutschen Autobahnen. Dabei beschleunigen, bremsen und lenken die Fahrzeuge tatsächlich eigenständig, auch die Spur wechseln sie ohne Hilfe - allerdings sitzt trotzdem immer ein Fahrer hinterm Steuer, um notfalls einzugreifen.

Unter Druck gerät die deutsche Automobilindustrie vor allem durch amerikanische Firmen wie Google, die im Herbst letzten Jahres ihr erstes selbstfahrendes Auto vorgestellt haben. Mittlerweile hat Google angekündigt, für weitergehende Tests seines ersten selbstfahrenden Autos eine Flotte aus 150 Wagen aufzubauen. Zuletzt machte auch Mercedes mit einem selbstfahrenden Lkw von sich reden.

Neben technischen Fragen sind aber auch noch viele Haftungs- und Genehmigungsprobleme ungelöst. Deutschland ist etwa an das Wiener Übereinkommen für den Straßenverkehr gebunden, das Autofahren ohne Fahrer bislang nicht zulässt. Gestattet sind jedoch unter besonderen Auflagen Tests zum autonomen Fahren.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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