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MALI
Bettina Rühl
Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nach weiteren blutigen Attentaten scheint der Kampf gegen den Terror schwieriger denn je

Hoffnung ist dieser Tage in Mali ein seltenes Gut. Seit einem Putsch im Jahr 2012 (siehe Stichwort) kommt das westafrikanische Land mit seinen rund 16 Millionen Einwohnern nicht zur Ruhe. Aber trotz einer regelrechten Attentatsserie seit März 2015 versuchte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) Anfang Mai, Optimismus zu vermitteln. Bei seiner Visite im deutschen Feldlager "Camp Castor" in der Nähe der nordmalischen Stadt Gao sagte er den versammelten Soldatinnen und Soldaten: "Wir haben die Hoffnung dass es gelingt, Mali wieder zu einem stabilen und funktionierenden Staat zu machen." Der Bundeswehreinsatz sei ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung des Landes.

Das deutsche Kontingent ist im Rahmen des UN-Friedenseinsatzes MINUSMA mit derzeit rund 300 Soldaten vor Ort. Bis Juli soll die Zahl auf 400 aufgestockt werden. Auch der zweite Bundeswehr-Einsatz in Mali (siehe Text unten) wird ausgeweitet. Im Rahmen der "Europäischen Ausbildungs- und Trainingsmission" (EUTM) bildet die Bundeswehr gemeinsam mit europäischen Partnern Soldaten der malischen Armee aus. Bislang fand das Training im eher ruhigen Süden des Landes statt, in einem Ausbildungszentrum der malischen Armee in Koulikoro, gut 50 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernt. Künftig sollen die europäischen - und damit auch die deutschen Ausbilder - die Streitkräfte des Krisenstaates zusätzlich im deutlich gefährlicheren Norden schulen, darunter in den Gemeinden Gao und Timbuktu.

Etwa 8.000 malische Soldaten wurden bereits ausgebildet, fast die Hälfte der rund 15.000 Mann starken Truppe. Aber: Das Land ist auch zweieinhalb Mal so groß wie Afghanistan, wo mehr als 300.000 Soldaten und Polizisten für Sicherheit sorgen.

Seinen jüngsten Besuch in Gao unternahm Steinmeier zusammen mit seinem französischen Amtskollegen Jean-Marc Ayrault. Die Franzosen führen weiterhin einen eigenen Einsatz in Mali durch, die "Opération Barkhane". Während die Deutschen im Rahmen der UN-Mission den Frieden sichern sollen, ist die Aufgabe der französischen Soldaten der Kampf gegen den Terror. Wie ernst die Lage auch im politischen Berlin eingeschätzt wird, machte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) schon im Januar deutlich, als sie vor einer "Achse des Terrors" in Afrika warnte, die von Libyen bis nach Nigeria reichen könnte. Bei ihrem Besuch in Mali im April machte von der Leyen allerdings die Hoffnung auf schnelle Erfolge durch die Militärmissionen zunichte: "Es wird Zeit dauern, dieses Land zu stabilisieren", stellte sie klar.

Das Ziel ist auch nicht allein mit militärischen Mitteln zu erreichen. Daran ließ auch Steinmeier in seiner Rede an die Soldaten keinen Zweifel: "Nur, wenn es politisch weitergeht, werden Sie ihre Aufgabe erfolgreich bestreiten können." Politische Fortschritte gibt es aber nicht, trotz aller Bemühungen um eine Stabilisierung in den vergangenen drei Jahren. Der Friedensvertrag zwischen der Regierung und den Rebellen im Norden - ohnehin nur mit einem Teil der bewaffneten Gruppen geschlossen - ist von einer Umsetzung immer noch unendliche Verhandlungsrunden entfernt.

Wirkliche Bewegung gab es zuletzt nur an der diffusen Front: Islamistische Rebellengruppen haben ihre Namen und teils ihre Allianzen geändert, neue Kräfte sind entstanden. Diese Gruppen haben viele einheimische, schwarzafrikanische Mitglieder, während die islamistischen Milizen bislang vor allem unter den Tuareg oder nordafrikanischen arabischen Völkern rekrutierten. Zudem sind die neuen Gruppen wie die "Front de Libération du Massina" oder "Al Mourabitoun" nicht im abgelegenen und von Wüste bedeckten Norden des Landes aktiv, sondern im dicht bevölkerten Süden, also im politischen und wirtschaftlichen Herzen von Mali.

Der bislang brutalste Angriff mit 22 Toten machte im November 2015 auch international Schlagzeilen. Für den Sturm auf das Luxushotel Radisson Blu in der Hauptstadt Bamako übernahm die "Front de Libération du Massina" die Verantwortung. Viele Beobachter sahen in diesem Anschlag einen Wendepunkt. Erstmals war der vergleichsweise ruhige Süden getroffen, dazu noch ein besonders gut bewachtes Hotel. Das machte schlaglichtartig deutlich: Der Kampf gegen den Terror in Mali ist heute schwieriger denn je.

Die Autorin ist freie Afrika-Korrespondentin.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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