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Parlamentarisches Profil
Götz Hausding
Die Hartnäckige: Sylvia Pantel

Von faulen Kompromissen hält Sylvia Pantel gar nichts. "Entweder man kann voll dahinter stehen oder man lässt es ganz", sagt die CDU-Abgeordnete. Der Entwurf für ein Prostituiertenschutzgesetz sei ein gelungener Kompromiss, findet sie. "Erstmals gibt es Regeln für Bordellbetreiber und Schutzbestimmungen für die Prostituierten." Dazu gehört auch, dass sich Prostituierte persönlich bei den Behörden anmelden müssen - anders als von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) in einem ersten Entwurf geplant. Inakzeptabel sei die Vorlage gewesen, findet die CDU-Politikerin. Die persönliche Anmeldung ist für sie ein Knackpunkt. "Darauf kann man nicht mit dem Verweis auf Entbürokratisierung verzichten." Die Befürchtung eine Meldepflicht treibe Prostituierte in die Illegalität, teilt sie nicht. "Prostituierte brauchen Kunden - also müssen sie ihre Dienstleistung anbieten. Das können sie in keinem Bordell oder bordellähnlichen Betrieben mehr, ohne angemeldet zu sein." Da Bordellbetreiber künftig einer ordnungsbehördlichen Erlaubnispflicht unterliegen und auch ohne konkreten Verdacht von Polizei und Behörden kontrolliert werden dürfen, müssten diese auch darauf achten, dass ihre Mitarbeiterinnen angemeldet sind.

Mit dem Thema hat sich die 55-Jährige schon vor ihrer Zeit als Bundestagsabgeordnete beschäftigt. "Ich habe schon in meiner Heimatstadt Düsseldorf versucht, Hilfsangebote für Prostituierte zu schaffen." 90 Prozent der Prostituierten in Deutschland kommen aus Osteuropa und üben zum überwiegenden Teil ihren Job nicht ganz freiwillig aus, weiß Sylvia Pantel. Sollte Prostitution also verboten werden? "Nein", sagt sie. "Ich versuche Ausbeutung zu verhindern, will den Menschen aber nicht vorschreiben, wie sie leben sollen." Wichtig sei es, Regeln zu schaffen, die dann auch eingehalten werden müssen, sagt die Rheinländerin, die erst seit dieser Legislaturperiode als direkt gewählte Abgeordnete dem Bundestag angehört.

Was auch mit ihren fünf Kindern zu tun hat, die inzwischen allesamt aus dem Haus sind. "Ich wäre niemals nach Berlin gegangen, als meine Kinder noch klein waren", macht sie deutlich. Ihre Kinder, ihre Familie sind ihr ohnehin das wichtigste. Insofern ist sie im Familienausschuss doch richtig? Absolut, sagt sie, auch wenn ihr politisches Tun auf lokaler Ebene eher im Bereich Bildung stattfand. Und offenbar nicht ganz folgenlos war: Sylvia Pantel darf sich Inhaberin des Bundesverdienstkreuzes am Bande nennen. Unter anderem weil sie sich hartnäckig und erfolgreich für den Erhalt der städtischen Musikschule und die Einführung einer verbilligten Schülerfahrkarte in Düsseldorf eingesetzt hat.

Hartnäckigkeit zeichnet sie auch in Berlin aus. Sylvia Pantel will etwas bewegen und scheut auch die Konfrontation nicht. Weder mit Fraktionskollegen - etwa in Sachen Schutzimpfungen beim Präventionsgesetz - noch mit der Familienministerin. Stichwort Betreuungsgeld. Während Schwesig ihre Genugtuung über das Ende des Betreuungsgeldes kaum verbirgt, bedauert die Unionsabgeordnete, dass diese "Anerkennung für die Familienleistung" nicht mehr existiert. "Es scheint so zu sein, dass der wirtschaftlichen Lage entsprechend die Frauen als Arbeitskräfte benötigt werden und daher alles dafür getan wird, dass sie möglichst schnell wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen", sagt sie. Gegen einen Ausbau des Kitaangebots hat Pantel dennoch nichts einzuwenden. "Nur in die Kitabetreuung zu gehen ist für mich aber zu einfach", sagt sie.

Pantel, die ihre Kinder zuhause betreut hat, klagt zudem über mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz für Mütter mit mehreren Kindern. Wahlweise als verrückt oder asozial werde man bezeichnet, wenn man fünf Kinder hat. Kein Verständnis hat sie auch dafür, dass es als "hip und modern" gilt, wenn ein Mann sagt, er bleibe zuhause und kümmere sich um die Kinder. "Wenn das eine Frau sagt, ist es hingegen antiquiert und konservativ."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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