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Vor 25 Jahren...
Benjamin Stahl
Entscheidung für Berlin

20.6.1991: Bundestag verlegt Regierungssitz. "Dem kleinen Bonn" Parlament und Regierung lassen, wie Norbert Blüm (CDU) hoffte? Oder Berlin mehr als nur das "bloße Etikett" Hauptstadt geben, wie Wolfgang Thierse (SPD) forderte? Die Frage, wo Bundestag und Bundesregierung nach der Wende ihren Sitz haben sollten, wurde kontrovers diskutiert. Die Entscheidung fiel am 20. Juni 1991 in Bonn für Berlin. Mit 338 gegen 320 Stimmen votierte der Bundestag für einen Umzug an die Spree - nach zwölfstündiger Debatte mit fünf Anträgen und rund 100 Redebeiträgen, in denen auch die Befürchtungen der Lager zum Ausdruck kamen.

Mit Bonn verbinde man den längsten "friedlichen Zeitabschnitt unserer Geschichte", sagte Blüm. Ganz anders die Meinung mancher zu Berlin: "Ich teilte die Sorge, dass Berlin als Hauptstadt im Ausland ein historisches Bild deutscher Großmachtträume bedienen könnte", gab etwa Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) vor einigen Jahren zu. Dass die Entscheidung dem Image Deutschlands geschadet hat, ist aus heutiger Sicht kaum haltbar. Doch es gab weitere Zweifel: "Bonn verliert viel. Berlin gewinnt viele neue Probleme", meinte etwa Blüm. Am Rhein sorgte man sich um die alte Hauptstadt: "Katastrophe für Bonn" titelte der Boulevard. Während sich Berlin inzwischen zur Metropole gemausert hat, blieb in Bonn das große Ausbluten aus. Heute haben dort noch sechs Ministerien, mehr als 40 Bundesämter und 19 UN-Institutionen ihren Hauptsitz. Immer mehr Arbeitsplätze aus den Ministerien wandern aber nach Berlin.Benjamin Stahl

Aus Politik und Zeitgeschichte

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