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Ortstermin: 30 Jahre Internationales Parlamentsstipendium
Götz Hausding
»Ohne IPS wäre ich nicht da, wo ich heute bin«

Es begann im Jahr 1986. Deutschland war noch in Ost und West geteilt, Michael Gorbatschow sprach erstmalig von Glasnost und Perestroika und in den USA tobte die Iran-Contra-Affäre. Da hatten die Abgeordneten des Deutschen Bundestages - damals noch in Bonn ansässig - eine Idee: Man könnte doch junge Akademiker aus anderen Ländern einladen, den Parlamentarismus in Deutschland hautnah kennenzulernen.

2016 feiert das Internationale Parlamentsstipendium (IPS) 30-jähriges Jubiläum und mit der Journalistin Ellen Thalman aus den USA moderierte eine Stipendiatin des ersten IPS-Jahrgangs vergangenen Donnerstag die Podiumsdiskussion "30 Jahre IPS - Bilanz und Perspektive". Auf dem Podium saßen Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), die Präsidentin der Humboldt Universität zu Berlin, Sabine Kunst, sowie ehemalige und derzeitige Stipendiaten. Unter den zahlreichen Zuhörern waren die 117 Stipendiaten aus 36 Ländern des diesjährigen Jahrgangs. Aber auch Klaus Francke, der 1986 als Bundestagsabgeordneter der CDU für das IPS verantwortlich war, sowie Wolfgang Börnsen (CDU), der lange Jahre als "Vater des IPS" galt. Sie alle stimmten der Einschätzung der Diskutanten zu: Die Bilanz ist hervorragend, die Perspektiven ebenso.

"Die Erfahrungen, die wir mit dem Programm gemacht haben, sind überragend gut", sagte Bundestagspräsident Lammert. Insofern wäre es eine schöne Ergänzung, wenn noch mehr Partnerländer ähnliche Programme in ihren Parlamenten auflegen könnten, befand er. Sehr erfreulich nannte es Lammert, dass es eine beachtliche Zahl an ehemaligen Stipendiaten gebe, die inzwischen entweder Abgeordnete sind oder in Ministerien arbeiten.

Einer davon ist Siegfried Muresan aus Rumänien - Stipendiat des Jahrgangs 2006 und seit 2014 Mitglied des Europäischen Parlamentes. "Hätte ich am IPS nicht teilgenommen, wäre ich nicht da, wo ich heute bin", sagte er. Aber auch abseits des Geschehens im Bundestag hat er beste Erinnerungen an den Sommer 2006 in Berlin. "Es war Fußball-Weltmeisterschaft und ich durfte erleben, mit welch toller Gastfreundlichkeit sich Deutschland da präsentiert hat", sagte der Rumäne.

Mit Liudmyla Kvirenko aus der Ukraine saß eine der IPS-Teilnehmerinnen dieses Jahres auf dem Podium. Es sei sehr spannend, aber auch anspruchsvoll, bei der Arbeit der Abgeordneten mitmachen zu dürfen, sagte sie. Besonders beeindruckend sei "die Transparenz im Bundestag".

Dass die Kontakte unter den ehemaligen IPS-Teilnehmern nie völlig abreißen, bestätigte Enas Halaiqah aus Jordanien, die 2014 am IPS-Sonderprogramm für Teilnehmer aus arabischen Staaten teilgenommen hat. "Wir haben eine eigene Facebook-Gruppe und bleiben so im ständigen Austausch."

Für die jungen Leute begann nach der Diskussion der Stipendiatenabend. Eingeleitet von Moderatorin Ellen Thalman mit den Worten, die Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth vor 25 Jahren nach der knappen Entscheidung für den Umzug des Bundestages nach Berlin gefunden hatte: "Und jetzt wird gefeiert!"Götz Hausding

Aus Politik und Zeitgeschichte

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