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Gastkommentare - Contra
Holger Möhle, "General-Anzeiger", Bonn
In Putins Sprache

dROHT Ein neues Wettrüsten?

D ie Nato hat sich mit ihrem Gipfel von Warschau gerüstet: Gegen neue russische Aggressionen wappnet sie sich mit einer militärischen Verstärkung an ihrer Ostflanke. Vor allem die baltischen Nato-Partner wie auch Polen fühlen sich durch den hybriden, also offiziell nicht erklärten Krieg Russlands in der Ostukraine bedroht, weil, so fürchten sie, Moskau womöglich noch an anderer Stelle zündeln könnte. Dagegen steht die Nato, und es wäre auch wirklich armselig um das Bündnis bestellt, würde es die historisch begründeten Ängste von einigen seiner Mitglieder an der eigenen Ostgrenze einfach beiseite wischen: Habt euch nicht so! Ließe die Nato im Ernstfall die Balten im Stich, wäre das Bündnis tot.

Eine Allianz ist eine Allianz, weil im Ernstfall ein Angriff auf eines ihrer Mitglieder ein Angriff auf alle ist. Das nordatlantische Bündnis führt dabei mitnichten im Schilde, seine über längere Zeit auf Eis gelegte strategische Partnerschaft mit Russland in eine Zeit eines neuen Kalten Krieges zu führen. Die Nato reagiert auf russische Provokationen und zeigt dem russischen Präsidenten, dass sie seine Sprache versteht. Der Aufbau einer Schnellen Eingreiftruppe (gegen Gefahren überall auf dem Globus) und ständiger Stützpunkte in Ost-Europa hat ebenso wenig mit einem Auf- oder gar mit einem neuen Wettrüsten zu tun wie die Stationierung einiger Tausender Nato-Soldaten im Baltikum in einem rotierenden System. Frieden und Sicherheit in Europa wird es auf Dauer ohnehin nur mit und nicht gegen Russland geben können. Die Nato hat bei ihrem Warschauer Gipfel nur demonstriert, dass sie beides kann: Abschreckung und Dialog. Wladimir Putin wird die Botschaft verstehen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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