Inhalt

Bernd Haunfelder
Zum Tod von Katharina Focke

Als sie 1969 auf der Gipfelkonferenz von Den Haag an der Seite von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) erschien, wollte jedermann wissen, wer denn die elegante Dame sei, die Französisch wie ihre Muttersprache beherrschte. Es war Katharina Focke (Foto), die polyglotte Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeskanzleramt. Brandt gab in Europafragen viel auf die Meinung der Senkrechtstarterin in der SPD, die erst 1964 der Partei beigetreten war. Mit ihrem Namen ist aber vor allem die große Ehe- und Familienrechtsreform verbunden, die sie in ihrer Amtszeit als Bundesfamilienministerin von 1972 bis 1976 auf den Weg gebracht und damit die Rechte der Frauen wesentlich gestärkt hatte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Fockes bis heute nachwirkende Akzentsetzung in der Gesundheits- und Familienpolitik. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel nannte sie eine "moderne Sozialdemokratin" und durchsetzungsstarke Kämpferin für die Rechte der Schwachen. Focke, die von 1969 bis 1980 dem Bundestag und danach bis 1989 dem Europäischen Parlament angehörte, starb am 10. Juli im Alter von 93 Jahren.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag