Inhalt

BUNDESWEHR
Florian Zimmer-Amrhein
Aus der Uniform ins Sporttrikot

Sportsoldaten werden in Rio wieder ein Drittel des deutschen Olympiateams stellen

Wenn in der kommenden Woche das olympische Feuer in Rio de Janeiro entzündet wird und der Wettkampf um die prestigeträchtigen Medaillen entbrennt, werden auch zahlreiche Bundeswehrsoldaten und -soldatinnen wieder mit von der Partie sein. 125 von voraussichtlich 450 deutschen Athleten sind es diesmal. Damit stellen die Sportsoldaten wie schon bei den Sommerspielen in London 2012 rund ein Drittel des deutschen Olympia-Teams.

17 von ihnen gewannen damals Medaillen, darunter auch fünf goldene. In Rio soll dieser Erfolg zumindest eingestellt, wenn möglich noch gesteigert werden. Damit dies gelingt, lief das Training der bundesweit 15 Sportfördergruppen bis zuletzt auf Hochtouren. Allein mehr als 400 olympische Sommersportler stehen im Dienst der Bundeswehr.

Während die Bundeswehr-Athleten in der Regel 30 Prozent ihrer Dienstzeit militärischen Aufgaben und 70 Prozent dem Training widmen, sind sie bei der Vorbereitung auf olympische Spiele vollständig vom Dienst befreit. Sie sollen ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Wettkampf richten und bekommen dafür in den Leistungszentren des DOSB und der Spitzenverbände ideale Trainingsbedingungen gestellt. Aktuell rund 35 Millionen Euro pro Jahr lässt sich die Bundeswehr die seit 1968 bestehende Spitzensportförderung kosten.

Die Förderplätze bei der Bundeswehr - genauso wie bei der Bundespolizei oder der Deutschen Sporthilfe - sind begrenzt und der Konkurrenzdruck ist hoch. Aktuell sind es 784 Plätze einschließlich Trainerstellen. Die Förderung wird außerdem nur jeweils für ein Jahr erteilt und muss danach verlängert werden. Das passiert freilich nur, wenn die sportliche Leistung stimmt. Zugleich gilt: Ohne eine Förderung, die die nötigen Trainingsmittel und eine finanzielle Grundsicherung stellt, sind Leistungen auf Weltniveau heute kaum mehr zu erreichen. Ein frühes Aus in der Qualifikation kann also mitunter das Ende der sportlichen Laufbahn bedeuten.

Sportsoldaten müssen nur eine verkürzte Grundausbildung von acht Wochen leisten, sind an militärischen Einsätzen prinzipiell nicht beteiligt, bekommen in der Regel mehr Förderung und mediale Aufmerksamkeit und beziehen trotz allem ein volles Soldatengehalt. Nicht alle Kameraden finden das fair.

Turmspringer und Stabsunteroffizier Patrick Hausding sagt aber: "So, wie andere innerhalb der Bundeswehr ihren jeweiligen Auftrag haben, erfüllen auch wir den unsrigen und geben dafür alles. Nimmt man den Slogan 'Wir. Dienen. Deutschland.', dann dienen auch wir Deutschland. Schließlich repräsentieren wir unser Land weltweit." Der amtierende, neunfache Europameister im Synchronspringen gewann 2008 in Peking olympisches Silber und möchte in diesem Jahr gemeinsam mit seinen Kameraden Sascha Klein und Stephan Feck den Sprung auf das oberste Podest schaffen. Die drei gehören zu den großen Medaillenhoffnungen aus dem Förderkader der Bundeswehr.

Die eigentlichen Stars unter den Sportsoldaten wie Turner Marcel Nguyen, der in London zweimal Silber gewann, oder die amtierende Weltmeisterin im Kugelstoßen Christina Schwanitz taten sich schwerer. Sie qualifizierten sich erst spät und müssen ihre Bestform noch finden. Auch der wohl prominenteste Athlet der Bundeswehr, Diskuswerfer Robert Harting, musste lange um seine Olympia-Teilnahme bangen. Seit einem Kreuzbandriss vor zwei Jahren schien der Olympiasieger von 2012 vom Verletzungspech verfolgt. Zur Deutschen Meisterschaft im Juni konnte Harting aber seinen Titel verteidigen und löste damit doch noch das Olympia-Ticket. Damit es auch für die Titelverteidigung in Rio reicht, wird er allerdings noch eine Schippe drauf legen müssen.

Der Autor ist freier Journalist in Berlin.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag