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Götz Hausding
Erstaunliche Erinnerungslücken

Der erfolgreiche Fußballverband trägt schwer am Makel um die WM-Bewerbung 2006

Weltmeister 2014, und EM-Halbfinalist 2016: Der Deutsche Fußballbund (DFB) ist der erfolgreichste Fußballverband der Erde. Der überdies mitgliederstärkste Verband in Deutschland - Ende 2015 waren in den 21 Landesverbänden des DFB rund 6,9 Millionen Mitglieder gemeldet - ist zudem durch sein Nationalteam auch finanziell stark. Allein im Rahmen der Fußball-WM in Brasilien erwirtschaftete der DFB einen Überschuss in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro. Die Hälfte der Summe ging vereinbarungsgemäß an die Deutsche Fußballliga, die seit der Saison 2001/2002 den Betrieb der 1. und 2. Bundesliga eigenständig organisiert. Der Anteil des DFB, so der damalige Schatzmeister Reinhard Grindel, komme vielen Aufgaben von der Talentförderung bis zur Präventionsarbeit zugute.

Eine absolute Erfolgsgeschichte, wäre da nicht der Makel rund um die Bewerbung für die Fußball-WM 2006. Unklare Geldflüsse und Erinnerungslücken in erstaunlichem Ausmaß bei den Beteiligten. Fest steht, dass eine beträchtliche Summe, nämlich 6,7 Millionen Euro, über Umwege auf ein Konto in Katar geflossen sind. Offiziell wurde der Betrag als Zuschuss zur WM-Eröffnungsfeier deklariert, die aber nie stattgefunden hat. Der DFB hat den Vorgang untersuchen lassen. Mit dem Ergebnis: Für einen Stimmenkauf gibt es keine Belege, auszuschließen sei er aber nicht. Inzwischen wurde nahezu die komplette Führungsriege im Verband ausgetauscht. Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Grindel ersetzte Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident, der nach Bekanntwerden der Vorwürfe eine eher unglückliche Figur abgegeben hatte. DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock trat zurück, sein Vize Stefan Hans wurde fristlos gekündigt.

Jetzt schaut der DFB wieder nach vorn. Schließlich will sich Deutschland, seriös und transparent, als Ausrichter für die Europameisterschaft 2024 bewerben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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