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Gastkommentare - Contra
Andreas Mihm, "Frankfurter Allgemeine Zeitung"
Brücke abgerissen

KLIMASCHUTZ ohne Atomkraft?

Mit Achtung, aber auch großer Skepsis begegnete der Franzose dem Gast. Das sei ja ganz schön mit der Energiewende, hörte der am Rande des Pariser Klimagipfels, aber warum seien bei all dem Aufwand die deutschen CO2-Emissionen noch so hoch? Die Antwort war schnell gegeben: Weil nicht genug Ökostrom verfügbar sei und die Kernkraftwerke abgeschaltet würden, komme Kohle als preiswerte Alternative zum Einsatz. Das befriedigte den Franzosen nicht. Gehe es nicht vor allem darum, das Klima zu retten?

Man muss keinen französischen Stromanschluss mit drei Viertel Kernenergie haben, um die deutsche Energie- und Klimapolitik als ineffizient und wenig zielführend wahrzunehmen. Wegen mutmaßlicher Risiken steigt Deutschland aus der Atomstromerzeugung bis 2022 aus. Wissend wird eine umwelt- und klimapolitisch saubere Energieart vom Netz genommen, andere wie Kohle bleiben - mit klimaschädlichen Emissionen, Schadstoffen in der Atemluft, oft menschenunwürdigen Umständen in den Abbaugebieten. Schon vor zehn Jahren konnte Greenpeace-Urgestein Patrick Moore im Atomausstieg keinen Gewinn für das Klima erkennen. Je weiter die Energiewende voranschreitet und der klimapolitische Druck wächst, desto mehr zeigt sich, wie recht Angel Merkel mit dem Sprachbild hatte, die Atomenergie sei die Brücke in die Zukunft der Erneuerbaren. Mit zuverlässigem, preiswertem Atomstrom hätte man den Kohle-Ausstieg finanzieren und das Klima schonen können, ohne die Versorgung zu gefährden. Leider hat die Kanzlerin diese Brücke abgerissen. Deutschland und der Welt hat sie damit keinen Gefallen getan.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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