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Parlamentarisches Profil
Götz Hausding
Michael Grosse-Brömer: Der Vermittler

Bedingungsloses Vertrauen? Für Michael Grosse-Brömer ist der Fall klar. "Meiner Familie vertraue ich bedingungslos, aber auch dem ein oder anderen sehr guten Freund", sagt der 55-jährige CDU-Politiker. Aber auch in seinem beruflichen Umfeld spielt Vertrauen eine große Rolle. "Wir reden im Bundestag nicht nur von vertrauensvoller Zusammenarbeit, sondern praktizieren diese auch", betont er. Anders sei dies in einem Arbeitsparlament wie dem Bundestag gar nicht möglich. "Nach meiner Erfahrung ist die Zusammenarbeit nicht nur innerhalb einer Fraktion, sondern auch über Fraktionsgrenzen hinweg oft wesentlich besser als es in der Bevölkerung manchmal vermutet wird", sagt Grosse-Brömer.

Dass es einen Vertrauensverlust gegenüber gesellschaftlichen Eliten aus Wirtschaft, Presse aber auch Politik gibt, räumt der aus Harburg stammende Niedersachse ein. "Klar habe ich bei der einen oder anderen Bürgerveranstaltungen schon Aussagen gehört wie: Politikern kann man grundsätzlich nicht vertrauen. Zum Glück lassen sich solche Vorurteile aber oft im persönlichen Gespräch korrigieren."

Vertrauen stärken - Transparenz erhöhen. Die Opposition bringt dazu mit Plebisziten auf Bundesebene und grundsätzlich öffentlichen Ausschusssitzungen im Bundestag zwei Vorschläge ins Spiel, die bei Grosse-Brömer jedoch auf Ablehnung stoßen. Denn: "Ich bin ein absoluter Anhänger der repräsentativen Demokratie, die sich mehr als 70 Jahre in Deutschland bewährt hat", sagt er. Sehr komplexe Sachverhalte könnten von Abgeordneten, die einen Auftrag des Wählers haben, oft besser gelöst werden, findet er. "Nicht weil sie klüger sind, sondern weil sie einen großen Mitarbeiterstab haben und viele Fragen nicht einfach mit Ja oder Nein beantwortet werden können."

Einer Verpflichtung, Ausschusssitzungen öffentlich stattfinden zu lassen, kann er ebenfalls nichts abgewinnen. "Ausschusssitzungen sind Arbeitssitzungen, in denen fachlich gearbeitet wird, ohne dass man die öffentliche Wirkung der Redebeiträge ständig im Blick haben muss", sagt er. Schließlich werde im Plenum öffentlich zu den Themen debattiert.

Womit man bei einer der Kernaufgaben Grosse-Brömers ist. Als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer (PGF) ist er es, der - in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den PGFs der anderen Fraktionen - für einen reibungslosen Ablauf der Plenarsitzungen zu sorgen hat. Und natürlich auch dafür, dass die Unionsfraktion ein möglichst einheitliches Bild bei den Abstimmungen abgibt. "Chief Whip" - Chefpeitsche bezeichnet man seinen Job im angloamerikanischen Raum. "Eine Peitsche habe ich aber nicht dabei", sagt er. Mit Argumenten versuche er vielmehr, bei dem ein oder anderen Abgeordneten Überlegungsprozesse zu befördern, "ob die Vorteile eines Gesetzes die von ihm oder ihr empfundenen Nachteile nicht doch ausgleichen".

Oftmals mit Erfolg. "Die Unionsfraktion stimmt am geschlossensten ab", sagt er. Probleme mit den Parteifreunden von der CSU gebe es nicht. Auch wenn die Parteivorsitzenden Angela Merkel und Horst Seehofer in Sachen Flüchtlingspolitik nicht immer einer Meinung sind. "Gerade in der Flüchtlings- und Asylpolitik gelingt es uns immer wieder, einstimmige Beschlüsse zu fassen", sagt er. Inhaltlich seien die Unterschiede zwischen CDU und CSU "marginal".

Zwischen verschiedenen Interessen vermitteln, die eigenen Leute bei der Stange halten, ständig ansprechbar für Abgeordnete und Presseleute sein - Grosse-Brömers Job klingt anstrengend. Wie lädt einer wie er die Akkus wieder auf? Entspannen könne er sich am besten im Kreise seiner Familie, sagt er. Oder auch wenn er sich in ein Buch vertieft. Gelegentlich zieht es ihn auch auf den Fußballplatz. Als Zuschauer bevorzugt beim Hamburger SV. "Das entspannt zwar nicht wirklich, schafft aber die Möglichkeit, mal Emotionen rauszulassen." Doch der 55-Jährige kickt auch selbst. "Beim FC Bundestag habe ich in 49 Einsätzen 14 Tore geschossen", erzählt er stolz.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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