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ENTWICKLUNG II
Johanna Metz
Nicht ohne Geburtsurkunde

Nach dem Willen des Bundestages sollen mehr Kinder in Entwicklungsländern unmittelbar nach ihrer Geburt in einem Geburtenregister registriert werden. Einem entsprechenden Antrag (18/6549) der Koalitionsfraktionen stimmten die Fraktionen am vergangenen Donnerstag einstimmig zu.

Georg Kippels (CDU) verwies darauf, dass jährlich weltweit 230 Millionen Neugeborene nicht offiziell registriert würden, davon allein 135 Millionen in Südostasien. Insgesamt sei jedes fünfte Kind unter fünf Jahren betroffen. Menschen ohne Geburtenregistrierung stünden "im Schatten der Gesellschaft", betonte Kippels. Sie seien vom politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben weitestgehend ausgeschlossen.

Auch Michaela Engelmeier (SPD) betonte, eine Geburtenregistrierung könne "viele Ungerechtigkeiten und Ungleichheit" verhindern. Sie biete größeren Schutz vor Kinderarbeit, sexueller Ausbeutung, Frühverheiratung, vor Menschenhandel und illegaler internationaler Adoption. Außerdem könne ein registriertes Kind kostenlose Impfungen und andere Gesundheitsleistungen erhalten.

Niema Movassat (Die Linke) stellte klar:"Wer keine Geburtsurkunde bekommt, startet mit großen Nachteilen ins Leben." Weil die Registrierung jedoch meist an den Kosten scheitere, brauche es "unbedingt kostenlose und niedrigschwellige Registrierungsangebote". Moderne Lösungen, wie SMS-basierte Systeme, bezeichnete Movassat angesichts der weltweiten Verbeitung von Smartphones als "vielversprechend".

Uwe Kekeritz (Grüne) forderte die Bundesregierung auf, mehr Geld für die Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen. Dann könnten auch so "extrem teure Sachen" wie Registrierungssysteme in den betroffenen Ländern finanziert werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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