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ENTWICKLUNG I
Johanna Metz
Hilfe für palästinensische Flüchtlinge

Der Länderdirektor des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) im Libanon, Matthias Schmale, hat vergangene Woche im Entwicklungsausschuss an die Staatengemeinschaft appelliert, die 450.000 palästinensischen Flüchtlinge im Libanon politisch und finanziell weiter zu unterstützen. Viele lebten schon mehr als 60 Jahre in den zwölf palästinensischen Flüchtlingscamps. Dazu seien in den vergangenen fünf Jahren 42.000 palästinensische Flüchtlinge aus Syrien gekommen, berichtete Schmale. Nachdem der Libanon seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges im Jahr 2011 nochmals mehr als eine Million Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen habe, fühlten sich viele Palästinsenser zunehmend vernachlässigt. Schmale warnte vor sozialen Unruhen. Außerdem steige der Druck für die Flüchtlinge, nach Europa zu fliehen."Wir müssen alles tun, um den Menschen in den Camps ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen", betonte er. Dazu gehöre es auch, den Flüchtlingen Arbeit und damit eine Perspektive zu verschaffen. Bleibe die notwendige Hilfe aus, sagte Schmale, nehme das Rekrutierungspotenzial extremer Gruppierungen, wie dem "Islamischen Staat" (IS), zu.

Schmale zufolge nehmen allein im Libanon 270.000 palästinensische Flüchtlinge regelmäßig die Leistungen des UNRWA in Anspruch. Dazu gehörten Infrastrukturmaßnahmen und Sozialarbeit sowie der Betrieb von 67 Schulen und 27 Kliniken. Eine UNRWA-Mitarbeiterin verwies jedoch darauf, dass das Hilfswerk im vergangenen Jahr ein Defizit von 100 Millionen US-Dollar gehabt habe. 2016 liege das Defizit bei 81 Millionen US-Dollar.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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