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Parlamentarisches Profil
Hans Krump
Der Rumäniendeutsche: Bernd Fabritius

Bernd Fabritius ist empört über die Gewaltexzesse jugendlicher Migranten und Flüchtlinge gegen Frauen in Köln: "In Köln hat es ein Versagen des Staates in seiner wichtigsten Aufgabe gegeben, nämlich sein Gewaltmonopol zum Schutz der Bürger auszuüben." Das dürfe es nicht erneut geben, sagt der CSU-Abgeordnete: Sonst riskiere man starke Verwerfungen in der Gesellschaft. Deshalb steht er hinter den geplanten Gesetzesverschärfungen der Koalition gegen kriminelle Ausländer. "Es darf keine pauschalen Beschuldigungen gegen eine ganze Menschengruppe geben", mahnt Fabritius. "Wir dürfen aber nicht die Augen davor verschließen, dass es in Köln nicht um Einzeltäter ging, sondern Straftaten aus einem anderen kulturellen Verständnis und Frauenbild heraus verübt worden sind."

Gab es nicht zu viel Naivität bei der deutschen Willkommenskultur? Man müsse differenzieren, sagt Fabritius: "Wir von der CSU haben sehr früh auf die Probleme hingewiesen, die sich ergeben können, wenn in kurzen Zeiträumen sehr viele Menschen aus Regionen zu uns kommen,, in denen unser freiheitliches Lebensgefühl unbekannt ist." Den Präsidenten des Bundes der Vertriebenen (BdV) empören Vergleiche zwischen dem Fluchtgeschehen heute und der Vertreibung der Deutschen nach 1945 und entsprechende Schlüsse nach dem Motto "Wir schaffen das". "Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Menschen gleicher Sprache, Religion und meist deutscher Staatsangehörigkeit nach Deutschland. Heute kommen vielfach Menschen aus fernen Ländern zu uns, für die zum Beispiel das Rollenbild der Frau ein ganz anderes ist."

Was sollte Berlin jetzt tun? Fabritius: "Die Kontrollen an den deutschen Grenzen müssen deutlich verstärkt werden, damit Kriminelle nicht ins Land kommen." Der CSU-Politiker ist für ein Maßnahmenpaket unter anderem mit Schleierfahndung, "um entsprechende Signale nach außen zu senden, dass Deutschland kein unbegrenzt offenes Land ist": "Wir müssen klarmachen, dass Menschen bei uns willkommen sind, die sich aus Konfliktsituationen in Krisengebieten retten müssen. Nicht willkommen ist hingegen, wer einen Asylgrund nur vortäuscht, in Wahrheit aber aus wirtschaftlichen Gründen kommen will." Die Politik der offenen Grenzen müsse beendet werden, sagt Fabritius. Die von der CSU ins Spiel gebrachte Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen im Jahr sei als "soziologische Zahl" zu verstehen: "Die entscheidende Frage ist: Wieviele Menschen kann unsere Gesellschaft in einer bestimmten Zeit aufnehmen, ohne ihr Wesen zu verändern?", sagt der Münchner Abgeordnete.

Bernd Fabritius hält zwar die im September 2015 von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verkündete Entscheidung für richtig, wegen des Chaos in Ungarn die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen. Bedauerlicherweise habe es aber danach keine Signale der Begrenzung aus Berlin gegeben. Was hält Fabritius von Vorschlägen wie von seinem Parteifreund Peter Gauweiler, die CSU solle ihre Minister aus der Großen Koalition abziehen, um sich von Merkels Flüchtlingspolitik zu distanzieren? "Nichts", sagt er. "Das wäre eine Flucht aus der Verantwortung und wir würden uns unserer Einflussmöglichkeiten in der Regierung berauben." Fabritius macht auch deutlich, dass die Unionsfraktion der Regierung "Zeit geliehen hat", damit die Maßnahmen der EU und Türkei zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms wirken. Es gehe nur noch um Wochen, mahnt er .

Bernd Fabritius wurde 1965 in Rumänien als Siebenbürger Sachse - man hört es am harten Deutsch mit dem rollenden "R" - geboren und kam mit der Familie 1984 nach Deutschland. Drei Studien hat er absolviert, an der Bayerischen Beamtenfachhochschule, als Politologe und als Jurist. Der Anwalt sitzt seit 2013 im Bundestag und arbeitet dort im Außen- und Menschenrechtsausschuss sowie als Vorsitzender des Unterausschusses für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik mit. Bekannt ist er, seit er Ende 2014 als Nachfolger von Erika Steinbach (CDU) den BdV führt. Sein Herzensanliegen ist, dass die von Querelen erschütterte Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung endlich in ruhige Fahrwasser kommt und die Ausstellung mit dem Schwerpunkt der Vertreibung der Deutschen 2018 in Berlin ihre Arbeit starten kann. Wird dieses Anliegen nicht durch die globale Flüchtlingskrise immer mehr ins Hintertreffen geraten? Fabritius: "Nein. Ich gehe davon aus, dass durch das weltweite Fluchtgeschehen die Bereitschaft und Empathie hierzulande steigen wird, sich auch mit dem Schicksal der deutschen Vertriebenen zu beschäftigen." Motorradfahren ist das große Hobby von Fabritius, wenn ihm noch Zeit übrig bleibt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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