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Aschot Manutscharjan
Kurz rezensiert

Es hat lange gedauert, bis die Bücher arabischer Autoren über die Terrorbewegung "Islamischer Staat" auf Deutsch erschienen. Dies ist umso bemerkenswerter, als sie den Aufstieg des IS von Anfang an miterlebten und die Radikalisierung in den populistisch-religiösen Erklärungen der selbst ernannten "Islamretter" frühzeitig erkannten. Tatsächlich lüften die Neuerscheinungen aus Arabien den Schleier des Rätselhaften, der sich um den IS rankt. Zu den besten Büchern gehört die ausgezeichnete Recherchearbeit zweier Jordanier, des Journalisten Hassan Abu Hanieh und des Politikwissenschaftlers Mohammad Abu Rumman vom Center for Strategic Studies an der University of Jordan.

Das mit Unterstützung des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Amman veröffentlichte Buch widerlegt die Legenden um die Entstehung der Terrororganisation. Klar wird, dass der IS ein islamistisches Scharia-Kalifat gründen wollte. Im Einzelnen kann man in dem quellenreichen Buch nachlesen, wie aus dem irakischen al-Qaida-Ableger zuerst der "Islamische Staat in Irak und Syrien" entstand. Die Autoren beschreiben detailliert, wie sich die "Brüderlichkeit" zwischen dem IS und seiner "Mutterorganisation" al-Qaida dann in Feindschaft wandelte und wie sich daraus ein bewaffneter Konflikt entwickelte. Eine wichtige Rolle bei der Entfremdung dürfte der Führungsanspruch des jüngeren IS-Anführers Abu Bakr al-Baghdadi gespielt haben. Nach den Siegen über die irakische Armee im Juni 2014 hatte er sich in Mossul als Nachfolger der Kalifen präsentiert. Nach dem Tod Osama bin Ladens war der Konkurrenzkampf mit dem "Marktführer" al-Qaida eskaliert, dem die irakischen und syrischen Dschihadisten noch Treue geschworen hatten. Diese Gefolgschaft verweigerten sie bin Ladens Nachfolger al-Zawahiri.

Im Anhang präsentieren die Autoren ausführliche Biographien der Führungspersonen des IS und der Nusra-Front. Daraus lassen sich Querverbindungen und eine wechselseitige Beeinflussung der Terrorszene nachweisen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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