Inhalt

Glossar
Claus Peter Kosfeld
Jäger und Gejagte

Stalking kommt wesentlich häufiger vor, als viele glauben. Im Mittelpunkt stehen Liebesbeziehungen

Der Begriff Stalking stammt eigentlich aus der Jägersprache und steht im Englischen für das Anpirschen, Jagen oder Hetzen. Auf zwischenmenschliche Beziehungen angewendet, geht es übersetzt um das beharrliche Nachstellen. Ein Stalker ist jemand, der einen anderen Menschen über einen längeren Zeitraum systematisch verfolgt, belästigt oder sogar bedroht.

Kontakte: Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen, etwa durch ständige unerwünschte Botschaften oder Anrufe. Manche Täter lauern ihren Opfern auf oder spionieren ihnen nach. Die Opfer fühlen sich dadurch in ihrer Privatsphäre stark beeinträchtigt und unter Druck gesetzt. Meist reagieren die Stalking-Opfer mit Abwehr und Angst, viele sind mit der Situation auch völlig überfordert und lassen die Angriffe hilflos über sich ergehen. In extremen Fällen können die unter Druck gesetzten Menschen schwer traumatisiert werden. Es kommt vor, dass sich Stalking-Opfer sogar selbst die Schuld an der Eskalation geben und deshalb Möglichkeiten der Hilfe ungenutzt lassen.

Konstellationen: In den meisten Fällen geht es um Beziehungstaten (siehe Hintergrund Seite 3). Laut einer Aufstellung des Bundeskriminalamtes (BKA) sind Opfer und Täter in rund 45 Prozent der Fälle miteinander verwandt oder verschwägert. Rund 27 Prozent der Täter kommen aus dem eigenen Freundes- oder Bekanntenkreis. In rund zwei Prozent der Fälle stehen Opfer und Täter in einer formellen sozialen Beziehung, also etwa Schüler und Lehrer oder Patient und Therapeut. Allerdings weist die Statistik auch aus, dass in rund 14 Prozent der Fälle Opfer und Täter in keiner erkennbaren Beziehung zueinander stehen, bei weiteren rund elf Prozent ist das Verhältnis unklar. Die weitaus meisten Täter sind Männer, die meisten Opfer Frauen (jeweils rund 80 Prozent).

Liebeswahn: Manche psychisch gestörten Menschen sind davon überzeugt, von einer anderen Person geliebt zu werden. Oft handelt es sich um ältere Frauen, deren Obsession einem prominenten Schauspieler oder Künstler gilt. Die meist vergeblichen Annäherungsversuche lösen große Enttäuschungen aus und können zu einer Verschärfung des Problems führen.

Cyberstalking: Mit dem Zugang zum Internet wird die elektronische Variante des Nachstellens immer öfter zum Problem. Täter versenden bedrohliche Mails oder SMS oder stellen Beiträge mit verleumderischem Inhalt auf Internetseiten. Wenn ein Täter über die nötigen Informationen verfügt, kann er im Namen des Opfers auch Internet-Inserate aufgeben, Beiträge erstellen, unerwünschte Waren bestellen oder Blog-Einträge manipulieren. Es gibt heute zahlreiche technische Möglichkeiten der Kontaktaufnahme und Beeinflussung bis hin zur Übernahme eines Nutzerprofils.

Kontaktverbot: Bei andauernden Belästigungen, Bedrohungen oder sogar Übergriffen kann gegen den Stalker eine einstweilige Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz beim Familiengericht beantragt werden. Dem Angreifer wird dann verboten, sich seinem Opfer zu nähern. Dazu wird ein bestimmter Radius um die Wohnung oder den Arbeitsplatz festgelegt. Auch die Kontaktaufnahme per Telefon, Post oder Internet kann verboten werden. Es handelt sich hier um ein Eilverfahren, das sehr schnell umgesetzt wird.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag