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BILDUNGSBERICHT
Annette Rollmann
Geteilte Freude über steigendes Niveau

Opposition warnt vor Spaltung der Gesellschaft

Der Bildungsbericht 2016 zeigt abermals eine Steigerung der Bildungsbeteiligung und des Bildungsstands der Bevölkerung in Deutschland. Und das lobten auch die meisten Redner in der Debatte über den "Nationalen Bildungsbericht" (18/10100), den Bericht zum Anerkennungsgesetz 2016 (18/8825) sowie einen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen (18/10248).

Dennoch bewerteten Opposition und Regierungskoalition die Ergebnisse des rund 400 Seiten starken Bildungsberichts, der seit 2006 zum sechsten Mal vorgelegt wurde, unterschiedlich. Xaver Jung (CDU) sprach von einem "hervorragenden Zeugnis", das dem deutschen Bildungssystem ausgestellt worden sei. Er verwies darauf, dass die Bildungsausgaben des Bundes 2015 gut 80 Prozent über denen von 2008 gelegen hätten. Im vergangenen Jahr sei zudem einen Höchststand bei der Beschäftigung pädagogischer Fachkräfte erreicht worden.

Soziale Herkunft Rosemarie Hein (Linke) und Tanja Dörner (Grüne) hingegen mahnten, dass der Zugang zur Bildung noch viel zu sehr von der sozialen Herkunft abhänge. In ihrem Antrag kritisieren die Grünen, dass der Anteil ausländischer Schüler ohne Abschluss neuerdings wieder steige. Die Grünen beziehen sich auf die Autoren des Bildungsberichts, die ebenfalls davor warnen, dass sich angesichts der aktuellen Zuwanderung dieser Trend verstärken könnte. Die Fraktion fordert die Bundesregierung auf, "unverzüglich" der Spaltung der Gesellschaft in Bildungsgewinner und Bildungsverlierer aufgrund von sozialer oder ethnischer Herkunft entgegenzutreten.

Hein bemängelte, dass das anvisierte Ziel, bundesweit zehn Prozent des Bruttoinlandproduktes in Bildung zu investieren, auch 2014 nicht erreicht worden sei. Allein für die Investitionen in Schulgebäude würden 34 Milliarden Euro fehlen. Die Bundesländer könnten diese Aufgabe nicht allein stemme. Die vom Bund bereitgestellten 3,5 Milliarden Euro für Schulsanierungen reichten nicht aus, sagte Hein.

Mehr Studienanfänger Ernst Dieter Rossmann (SPD) betonte hingegen die positiven Entwicklungen im Bildungssystem. Es gebe mehr Krippen, bessere Kindertagesstätten, mehr Ganztagschulangebote, mehr Lesekompetenz, eine steigende Zahl von Schulabschlüssen und Studienanfängern. Aber auch Rossmann mahnte, dass die starke Koppelung von sozialer Herkunft und Bildungschancen aufgebrochen werden müsse. Zudem müsste die Bildungsintegration von Migranten verstärkt werden.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) zog ebenfalls eine positive Bilanz. Sie habe sich allerdings über die großen regionalen Unterschiede in der Bildungslandschaft erschreckt, bekannte sie. Die Möglichkeit, sich zu bilden, dürfe nicht vom Wohnort abhängen.

Der Bildungsbericht, der von einer unabhängigen wissenschaftlichen Autorengruppe erstellt und von Bundesbildungsministerium und Kultusministerkonferenz finanziert wird, stellt fest, dass die Bildungsbeteiligung der unter Dreijährigen zwischen 2013 und 2015 um weitere 3,6 Prozentpunkte auf 32,9 Prozent gestiegen ist. Der Ausbau der Ganztagsangebote schreite in allen Schularten kontinuierlich voran; 2014 sei eine Ganztagsquote von knapp 60 Prozent erreicht worden. Bei den Abschluss- und Abgängerquoten sei der Trend zu höheren Schulabschlüssen ungebrochen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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