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porträt
Claus Peter Kosfeld
Alois Alzheimers wichtige Entdeckung

1906 beschrieb der Psychiater erstmals die später nach ihm benannte Krankheit

Der Psychiater und Neuropathologe Alois Alzheimer (1864-1915) gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Medizingeschichte. Seine wegweisenden histologischen Untersuchungen (Gewebestudien) auf dem Gebiet der neurodegenerativen Erkrankungen werden bis heute bei der Diagnose der nach ihm benannten Krankheit verwendet.

Alois Alzheimer stammte aus Markbreit in Bayern, studierte in Würzburg, Tübingen und Berlin und schloss sein Medizinstudium 1887 mit einer Doktorarbeit "über die Ohrenschmalzdrüsen" ab. Bereits als Assistenzarzt in der "Städtischen Heilanstalt für Irre und Epileptische" in Frankfurt am Main wandte er sich mit seinem Freund und Kollegen Franz Nissl (1860-1919) dem menschlichen Gehirn als Forschungsschwerpunkt zu und blieb diesem Thema sein ganzes Berufsleben lang verhaftet. Nissl erlangte später durch seine histopathologischen Studien und eine nach ihm benannte spezielle Färbetechnik ebenfalls große Bekanntheit.

Damals waren Mediziner und Psychiater noch wenig zimperlich in der Benennung von Geisteskrankheiten. Patienten wurden als "Irre" oder "Verblödete" abgestempelt, die in "Irrenanstalten" teilweise bedauernswert dahinvegetierten, während sich das Wissen um die Krankheitsursachen in engen Grenzen hielt.

Der junge Arzt Alzheimer konzentrierte sich in seiner Forschung auf histologische Studien der Hirnrinde und arbeitete ab 1902 zunächst in Heidelberg und später in München mit dem ebenso berühmten wie heute wegen seiner nationalkonservativen Einstellung umstrittenen Psychiater Emil Kraepelin (1856-1926) zusammen. Kraepelins Grundlagenforschung wie seine systematisch-wissenschaftliche Krankheitslehre über psychotische Störungen wird nach wie vor in der Psychiatrie genutzt.

Massenhaftes Zellsterben Alzheimer erlangte mit seiner Analyse des "eigenartigen" Falls Auguste Deter (1850-1906), die er in einem Vortrag 1906 präsentierte, weithin Bekanntheit. Die Frau war 1901 in die "Städtische Irrenanstalt" in Frankfurt eingeliefert worden und zeigte untypische Symptome. Sie litt an der "Krankheit des Vergessens", die üblicherweise nur bei älteren Menschen ab 60 auftrat, war mit 51 Jahren aber noch relativ jung. Sie starb wenige Jahre später völlig umnachtet.

Eine histologische Untersuchung des Gehirns der Frau nach ihrem Tod offenbarte jene Abnormitäten, die heute noch bei der Diagnose von Demenzerkrankungen analysiert werden. Alzheimer stieß bei seinen mikroskopischen Untersuchungen auf eine große Menge abgestorbener Nervenzellen (Neuronen), eine dünne Hirnrinde, veränderte Proteinfasern (Neurofibrillen) sowie Ablagerungen (Amyloid-Plaques).

Kraepelin benannte das mit diesen Symptomen verbundene Krankheitsbild später nach seinem Kollegen Alzheimer und machte ihn damit weltbekannt. So revolutionär die Analyse der Symptome auch war, die Ursachen für die Alzheimer-Erkrankung sind immer noch unbekannt.

Von den rund 1,6 Millionen Demenzkranken in Deutschland leiden rund 1,2 Millionen unter der Alzheimer-Krankheit. Nach Auskunft der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit mehr als 35 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Seit 1994 wird der 21. September als Welt-Alzheimertag begangen, um auf die Krankheit und das Schicksal der Betroffenen aufmerksam zu machen.

Alois Alzheimer starb 1915 mit nur 51 Jahren nach einer Infektion in Breslau. Er wurde auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt am Main beigesetzt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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