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Bau
Eva Bräth
Mehr Wohnraum nötig

Experten empfehlen neue Wohnungsgemeinnützigkeit

Eine neue Wohnungsgemeinnützigkeit ist ein geeignetes Mittel, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Diese Meinung vertrat die Mehrheit der Experten bei einem öffentlichen Fachgespräch im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit in der vergangenen Woche. Anlass des Gesprächs waren Anträge der Linken (18/7415) und der Grünen (18/8081) zum Thema.

Jan Kuhnert (Kommunal- und Unternehmensberatung GmbH), Ulrich Ropertz (Deutscher Mieterbund), Hilmar von Lojewski (Deutscher Städtetag) und Andrej Holm (Humboldt Universität Berlin) betonten, dass die Schaffung von dauerhaft beleggebundenem Wohnraum entscheidend sie. Seit Ende der 1980er Jahre seien rund vier Millionen bezahlbare Wohnungen aus der gesetzlichen oder vertraglichen Bindung gefallen, betonte Ropertz.

Alle vier sprachen sich dafür aus, den Bau von Wohnungen mit Sozialbindung mittels steuerlicher Entlastung zu fördern. Kleine, mittlere sowie neugegründete Unternehmen mit einer Eigenkapitalschwäche würden dann in den Bau entsprechender Mietwohnungen investieren, argumentierte etwa Kuhnert. Von Lojewski empfahl, auch Gewinne aus unverdienter Bodenwertsteigerung zugunsten des gemeinnützigen Wohnungssektors umzuverteilen.

Wohnungsgemeinnützigkeit bedeute nicht automatisch soziale Segregation, betonte Holm. Durch die Schaffung eines großen gemeinnützigen Sektors, könne das Risiko gemindert werden. Zugunsten einer sozialen Durchmischung sollten auch Bestandswohnungen in den gemeinnützigen Sektor überführt werden, forderte Kuhnert. Die Stärkung der Länderprogramme solle Vorrang vor einem neuen Großprojekt des Bundes haben, sagte dagegen Torsten Mertins für den Deutschen Landkreistag.

Ablehnend steht der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) der Wohnungsgemeinnützigkeit gegenüber. Der Geschäftskreis der Unternehmen werde dadurch beschränken, argumentierte ihr Vertreter Axel Gedaschko. Aktuellen Engpässen auf dem Wohnungsmarkt liege "kein Marktversagen, sondern ein krasses Staatsversagen" zugrunde.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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