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Ortstermin: Neue Ausstellung in der Reichstagskuppel
Eva Bräth
Von Wahlscheinen und Scheinwahlen

Die Reichstagskuppel ist Wahrzeichen der Berliner Republik und Besuchermagnet. Jedes Jahr wird sie von zwei Millionen Menschen besucht. Sie genießen die Aussicht über die Dächer Berlins - und bekommen, fast nebenbei, Einblicke in die Geschichte des deutschen Parlamentarismus. Dafür müssen sie nur den Innenraum der Kuppel umrunden, wo sich die Ausstellung "Vom Reichstag zum Bundestag" befindet. Die Besucher können sich hier mit der Verfassungsgeschichte sowie dem Wahlrecht und der Stellung des Parlaments in Deutschland auseinandersetzen. 17 Jahre nach Öffnung der Kuppel ist die Ausstellung jetzt neu konzipiert worden.

Am Anfang steht ein Schwarzweißfoto: Der von Holzgerüsten eingefasste Rohbau erinnert mit seinen Rundbögen an eine Kathedrale. Doch am Gebäudesockel mit den markanten Kalksteinen erkennt man bereits das Reichstagsgebäude. 1884 hat Kaiser Wilhelm I. den Grundstein gelegt, doch dauert es weitere zehn Jahre, bis sein Enkel, Wilhelm II., das Gebäude feierlich einweiht. Wilhelm II. hält nicht viel von Parlamentarismus und Demokratie, er soll verächtlich vom "Reichsaffenhaus" und der "Schwatzbude" gesprochen haben. 20 Jahre später stürzt er Deutschland in den Ersten Weltkrieg, mit diesem endet 1918 das Kaiserreich. Das Foto Philipp Scheidemanns, wie er vom Balkon des Reichstags die Republik ausruft, eröffnet dann auch schon den nächsten Abschnitt - die Weimarer Republik. Wer den sogenannten Handlauf ganz umrundet, sieht am Ende das von Scheinwerfern beleuchtete Reichstagsgebäude: Es ist der 3. Oktober 2015, der 25. Jahrestag der Wiedervereinigung.

"Das ist wohl die meistbesuchte politisch-historische Ausstellung Deutschlands", sagt Andreas Trampe von den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestags. Selbst wenn man davon ausgehe, dass nur jeder zweite Besucher der Kuppel die Tafeln betrachtet. Die Stiftung "Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" hat die Ausstellung neu erstellt, in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlichen Diensten.

In zwölf Vitrinen werden Texte, Bilder und Dokumente präsentiert. Gegenüber der alten Ausstellung fällt vor allem eines auf: mehr Farbe und Bewegung. Slideshows zeigen Bilder der Friedlichen Revolution in der DDR, stellen Werke aus der Kunstsammlung und Mitarbeiter des Parlaments vor. Trampe verweist auf die Wahlscheine aus verschiedenen Epochen: "Der Wahlschein aus der Weimarer Republik macht die Zersplitterung des Parteiensystems anschaulich. Und der Wahlschein aus DDR-Zeiten bietet nur eine Einheitsliste - ohne jede Alternative", sagt er. Die Ausstellung zeigt: Auch bei Scheinwahlen geht's nicht ohne Wahlscheine.Eva Bräth

Die Ausstellung "Vom Reichstag zum Bundestag" kann im Rahmen eines angemeldeten Besuchs der Reichstagskuppel (8-24 Uhr, letzter Einlass: 22 Uhr) besichtigt werden. Zudem steht die Ausstellung auch digital auf www.bundestag.de/besuch zur Verfügung. Vertiefende Informationen zur Geschichte des deutschen Parlamentarismus bietet die Ausstellung "Wege - Irrwege - Umwege" des Bundestags im Deutschen Dom am Berliner Gendarmenmarkt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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