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Aufgekehrt
Claus Peter Kosfeld
Präsident auf der Bettkante

Singen macht glücklich. Wahrscheinlich ist die Karriere als Popsternchen oder Opernstar deshalb so beliebt, von Kirchenchören ganz zu schweigen. Überall schaffen sie jetzt in der Weihnachtszeit pünktlich Besinnlichkeit herbei. Männern wird nachgesagt, sie sängen zwanghaft unter der Dusche. Von Frauen behauptet das keiner. Das Rätsel ist noch nicht gelöst. Auch Wale singen und Vögel. Wenn jemand singend durch die Fußgängerzone läuft, schauen andere betreten weg und denken, ein entlaufener Verrückter. Warum eigentlich? Walter Scheel (FDP) hat auch gerne gesungen - und oft. Mit "Hoch auf dem gelben Wagen" hat er eine ganze Präsidentschaft geprägt. Mit dem populären Scheel als Frontmann und Unterstützung des Düsseldorfer Männergesangvereins erreichte das Volkslied 1974 den fünften Platz in den deutschen Musikcharts. Später hat Amtsnachfolger Karl Carstens (CDU) versucht, mit Wandern dagegenzuhalten, er hätte auch singen können. Das war wohl ein Fehler.

Dass Politik glücklich macht, behauptet kaum jemand. Da trifft es sich gut, dass Kuschelrocker Udo Lindenberg via "Gala" Interesse signalisiert hat. Er könnte sich vorstellen, in fünf Jahren als Präsident anzutreten, "der alles locker von der Bettkante regelt" und "komplizierte Angelegenheiten in Songform klar rüberbringt". Und weil der "Panikpräsident" ebenbürtige Kollegen braucht, bringt er Bono als irischen Staatschef und Bruce Springsteen als US-Präsidenten ins Spiel. Der Meister der Audio-Diplomatie, der legendäre DDR-Versteher, wirft den schwarzen Hut in den Ring! Die politische Fangemeinde staunt und fragt sich besorgt: Kann Frank Steinmeier (SPD) singen?Claus Peter Kosfeld

Aus Politik und Zeitgeschichte

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