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Parlamentarisches Profil
Hans Krump
Der Wirtschaftswissenschaftler: Kai Whittaker

Ein Punkt bei den neuen Rentenbeschlüssen der Koalition hat es dem Baden-Badener CDU-Bundestagsabgeordneten Kai Whittaker besonders angetan. "Ich bin sehr erfreut über die Verbesserungen bei den Betriebsrenten." Als neues Prinzip werde eingeführt, dass private Vorsorge beim Bezug einer Grundsicherung nicht gänzlich angerechnet werde, sondern der Rentner einen Freibetrag bei der betrieblichen Altersvorsorge behalten dürfe. "Das halte ich für einen der wichtigsten Beschlüsse, weil ich darauf an Infoständen vom Bürger immer wieder drauf angesprochen wurde", sagt Whittaker.

Auch die Angleichung der Ost- an die Westrenten bis 2025 hält Whittaker für eine "ehrliche und gerechte Lösung", weil umgekehrt auch die Höherwertung der Löhne der Ost-Arbeitnehmer abgeschafft werde. Das Programm sollte nach Ansicht Whittakers aus Steuermitteln bezahlt werden. Diese Beschlüsse befeuern wieder einmal die Debatte über Generationengerechtigkeit, weil Ist-Rentner im Osten im Gegensatz zu Arbeitnehmern dort bevorzugt werden. Allerdings: "Bei den Rentenbeschlüssen profitieren auch Jüngere, etwa bei den Betriebsrenten", sagt Whittaker.

Auch das Thema Altersarmut kommt hierzulande immer wieder hoch. Selbst ein Arbeitnehmer, der als "Eckrentner" 45 Jahre im Schnitt 11,60 Euro verdient - einiges über dem Mindestlohn -, bleibt laut Arbeitsministerium unter der Grundsicherung. Whittaker hält das Ganze gleichwohl für ein Thema, bei dem den Menschen zu Unrecht "viel Angst" gemacht werde: "Derzeit leiden drei Prozent der Rentner in Deutschland an Armut. Die Zahl wird künftig vielleicht geringfügig größer. Viel armutsgefährdeter sind bei uns heute Alleinerziehende."

Nachdem sich die Koalition nicht auf ein großes Rentenkonzept für die nächsten Jahre einigen konnte, hat Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) Vorschläge zur Sicherung des Rentenniveaus bis 2045 vorgelegt. "Das halte ich für nicht tragfähig", sagt der Wirtschaftswissenschaftler dazu. Klar sei, dass aufgrund der demografischen Lage Beiträge und Steuern für die Renten steigen würden. Whittaker hält aber das Ziel für falsch, das Rentenniveau bis 2045 bei 46 Prozent zu halten, nachdem unter Kanzler Schröder (SPD) für 2030 ein Minimalwert von 43 Prozent beschlossen wurde. "Damit wird die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gefährdet, denn das erfordert Unsummen an Geld." Am Nahles-Plan stört Whittaker auch, dass am Renteneintrittsalter von 67 Jahren nicht gerüttelt werde, trotz immer höherer Lebenserwartung der Menschen.

Der CDU-Politiker hält nicht viel von großen Rentenkonzepten für die nächsten drei Jahrzehnte, weil so leicht "Scheinlösungen präsentiert werden": "Niemand weiß, wie sich bis zum Jahr 2045 die Wirtschaft, Beschäftigung oder Steuerhöhe entwickelt haben oder welche Wirtschaftskrisen wir bis dahin hatten."

Kai Whittaker ist mit 31 Jahren einer der jüngsten Abgeordneten im Bundestag und wurde kürzlich von der Basis bereits als Direktkandidat für den Wahlkreis Rastatt wieder nominiert. Seit 1949 ist dieser Wahlkreis eine sichere Bank für die CDU. Beim Parlamentseinzug im Jahr 2013 erhielt Whittaker 53,5 Prozent Erststimmen. Vor drei Jahren wurde der damals 28-Jährige von der CDU-Basis im Rahmen eines Verjüngungsprozesses auf den Schild gehoben. Whittaker sitzt im Ausschuss für Arbeit und Soziales und würde auch in der nächsten Legislaturperiode im Falle einer Wiederwahl gern weiter dort sitzen. "Er ist einer der wichtigsten Ausschüsse, weil er alle Menschen betrifft, sowohl Arbeitgeber als Arbeitnehmer. Man muss bei allen Diskussionen die wirtschaftliche Lage stets im Blick haben." Die Phantasien zum Geldausgeben seien gerade bei Arbeit und Soziales - mit Abstand das ausgabenträchtigste Ressort - immer sehr groß. "Man muss stets aufpassen, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen."

Kai Whittaker ist Sohn eines englischen Vaters und einer deutschen Mutter. Er hat zwei Pässe. Nach dem Bachelor- und Masterstudium in England machte er erste berufliche Erfahrungen als Assistent der Geschäftsleitung bei zwei mittelständischen Firmen. Mit Laufen hält sich Kai Whittaker fit.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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