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Marc Engelhardt
Sicherheit auf drei Säulen

Die staatliche Rentenversicherung kennt Minimal- und Maximalrenten

Wollen Sie mehr Rente? Diese Frage wurde den Schweizern bei einer Volksabstimmung Ende September gestellt. Initiiert hatte sie der Schweizerische Gewerkschaftsbund, er forderte zehn Prozent mehr Rente für alle. Und die Schweizer - lehnten ab: Drei von fünf stimmten aus Sorge um die Finanzierung des dicken Rentenzuschlags mit "Nein". Das zeigt auch: Nichts ist den Schweizern bei der Rente so wichtig wie Sicherheit.

Dem entspricht das Rentensystem, das auf drei Säulen fußt: Für die erste, staatliche Säule zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils 4,2 Prozent des Lohns bei der Arbeitslosen- und Hinterbliebenenversicherung (kurz AHV) ein. Zusammen ergibt das etwa drei Viertel der AHV-Einnahmen, das restliche Viertel wird aus öffentlichen Kassen finanziert. Die Höhe der Rente richtet sich nach der Höhe der Einzahlungen, doch es gibt Grenzen: Die Minimalrente aus der ersten Säule beträgt derzeit 1.175 Franken (knapp 1.100 Euro), maximal gibt es das Doppelte. Ehepaare dürfen gemeinsam sogar nur maximal 3.525 Franken Rente beziehen, das entspricht dem dreifachen Mindestsatz. Dank dieser Grenzen hat die AHV es seit ihrer Gründung 1948 geschafft, ausgeglichen zu wirtschaften.

Der zuständige Gesundheitsminister Alain Berset warnt allerdings vor wachsenden Defiziten, weil die Babyboomer bald in Rente gehen: Bis 2030 könnte es bis auf sieben Milliarden Franken ansteigen. Die Diskussion um eine Reform der Rente ist also auch in der Schweiz noch lange nicht vorbei. Im Gespräch ist der Anstieg des Eintrittsalters auf 67 Jahre - derzeit liegt es für Männer bei 65, für Frauen bei 64.

Ergänzt wird die Rente durch die zweite Säule, die berufliche Vorsorge. Nur durch die Einzahlung in die Pensionskassen ist es möglich, das vom Staat angestrebte Rentenniveau von 60 Prozent des letzten Gehalts zu erreichen. Die Einzahlung ist Pflicht. Doch die Pensionskassen stehen unter Druck. Während die Schweizer Nationalbank Negativzinsen verhängt hat, müssen sie versuchen, risikofrei Renditen von mindestens 2,75 Prozent zu erzielen. Weil Rentner immer älter werden, bräuchten einzelne Kassen sogar Renditen von vier Prozent. Das geht kaum. Die zuständige Aufsichtskommission geht deshalb davon aus, dass 76 Pensionskassen mit hohen oder eher hohen Risiken belastet sind. Die meisten davon sind Pensionskassen mittlerweile insolventer Unternehmen. In solchen reinen "Rentnerkassen" muss immer häufiger ein Sicherheitsfonds einspringen, der aus Beitragsanteilen gespeist wird.

Vor ähnlichen Problemen stehen die Beschäftigten, die in die freiwillige dritte Säule investieren wollen: Die private Vorsorge ist steuerbegünstigt, vor allem dann, wenn sie nur für die Altersvorsorge zweckgebunden wird. Doch Vorsorgen, die relevante Renditen abwerfen, sind derzeit kaum zu haben. Vor allem für Selbständige, die in die ersten beiden Säulen nicht einzahlen müssen und - falls sie es freiwillig tun - allenfalls die Minimalrente bekommen, ist das ein Problem.

Der Autor berichtet als freier Journalist aus Genf.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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