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VERSICHERUNGSBERICHT
Claudia Heine
Ohne Zusatz geht es nicht

Nur 47 Prozent der Geringverdiener sorgen für das Alter zusätzlich vor

Es ist also amtlich bestätigt: "Die gesetzliche Rente allein wird zukünftig nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard des Erwerbslebens im Alter fortzuführen." Das schreibt die Bundesregierung zu den Ergebnissen des Rentenberichts 2016, der in der vergangenen Woche vom Bundeskabinett beschlossen wurde. Als Grund wird das sinkende Rentenniveau angeführt,also das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittseinkommen. Nach derzeitiger Gesetzeslage soll es bis 2030 nicht unter 43 Prozent sinken.

Um dieses auszugleichen, sollen die Beschäftigten in die private und betriebliche Altersvorsorge investieren. Doch das klappt vor allem bei Menschen mit geringen Einkommen zu selten. Nur knapp 47 Prozent der Geringverdiener sorgen dem Bericht zufolge zusätzlich für das Alter vor. Das sind rund 1,9 Millionen der 4,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit einem Bruttolohn von weniger als 1.500 Euro pro Monat. Zwar hätten mehr als 70 Prozent der Erwerbstätigen eine einen Anspruch auf eine Zusatzrente aus eine betrieblichen Altersversorgung oder aus einer Riester-Rente. Doch seit einigen Jahren stagnierten die Zahlen, wie die Bundesregierung bemerkt.

Erfreulicher wird die Perspektive, wenn man den Blick auf die heutige Rentnergeneration richtet. Die Regierung rechnet damit, dass die gesetzlichen Renten der 20,8 Millionen Rentner bis 2030 um durchschnittlich 2,1 Prozent pro Jahr steigen, angelehnt an die Lohnentwicklung. Demnach würden sich die Bezüge eines Standardrentners von derzeit 1.370 Euro auf 1.844 Euro im Jahr 2030 vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben erhöhen. Die Mehrheit der Rentner erfüllt jedoch gar nicht die Bedingungen des "Standardrentners", nämlich 45 Versicherungsjahre mit Durchschnittsverdienst. Immerhin: 2016 sind die Renten so stark gestiegen wie seit 20 Jahren nicht, im Westen um 4,25 Prozent, im Osten um 5,95 Prozent.

Konterkariert werden diese Zahlen von anderen, die das Statistische Bundesamt im November veröffentlichte. Demnach erhielten im Juni 2016 rund 530.000 Rentner die Grundsicherung im Alter. Vor zehn Jahren waren es noch 370.000. 60 Prozent von ihnen waren Frauen. Seit Jahren steigt auch die Zahl der arbeitenden Rentner. Knapp sechs Prozent sind noch erwerbstätig, sie bilden die größte Gruppe unter den Minijobbern.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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