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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Bereits zum zweiten Mal erhält Joby Warrick, Reporter der "Washington Post", den renommierten Pulitzerpreis. Diesmal für sein Buch den islamistischen Terrorismus, den "Islamischen Staat" (IS) und die desaströse Politik der USA im Nahen Osten - aktuell eine der besten Veröffentlichungen zum Thema. Die glänzend geschriebene Geschichte über die Transformation der al-Qaida in die überregionale, bewaffnete Bewegung "Islamischer Staat" wird parallel zur Politik der USA erzählt.

Warrick beginnt mit der auf Lügen basierenden US-Intervention im Irak im März 2003, die der Journalist für den Aufstieg des IS und die bis heute andauernden Krisen und Kriege in der Region verantwortlich macht. Der Journalist zitiert den damaligen Nationalen Sicherheitsberater und Vier-Sterne-General Colin Powell, der sich für seinen Auftritt vor dem UN-Sicherheitsrat im Februar 2003 bis heute schämt. Damals präsentierte er stolze 75 Minuten lang angebliche "Beweise" für die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak. Dabei hatten die CIA und andere "befreundete Diensten" sämtliche Fakten auf politischen Druck des Weißen Hauses gefälscht.

Warricks Verdienst ist es, dass er die folgenden Krisen nicht von ihren Ursachen - der US-Aggression und der gescheiterten Besatzungspolitik - trennt. Vielmehr dokumentiert er, wie die fehlgeschlagene Strategie im Kampf gegen die schwache al-Qaida-Zelle im Irak unter Führung Abu Musab al Zarqawis dessen Mythos in der islamischen Welt begründete. Am Ende war eine radikale Terrorbewegung mit globalen Ansprüchen entstanden.

Detailliert verfolgt Joby Warrick die Terroranschläge im Westen und betont, dass einheimische Terroristen dafür verantwortlich waren. Zudem erfährt der Leser Interessantes über die unbekannte Seite des Bürgerkrieges in Syrien: So berichtet er über die geheimen Operationen der USA und deren Versuche, Verbündete gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu finden, sie zu organisieren und militärisch zu unterstützen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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