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ENTWICKLUNG
Johanna Metz
28 Millionen droht der Hungertod

Die internationale Gebergemeinschaft sollte ihren Fokus wieder auf die Region um das Horn von Afrika legen, wo sich derzeit die größte humanitäre Katastrophe seit Gründung der Vereinten Nationen abspielt. Das betonte der Leiter des Welternährungsprogrammes (WFP) Deutschland, Ralf Südhoff, in der vergangenen Woche im Entwicklungsausschuss. Die gegenwärtig insbesondere im Südsudan, Jemen, Nigeria und Somalia herrschende Hungersnot sei nicht eine unter vielen globalen Krisen, sondern neben denen in Syrien und dem Irak die derzeit schwerste Krise überhaupt. "28 Millionen Menschen in vier Staaten gleichzeitig sind massiv vom Hunger bedroht", berichtete Südhoff. "Das ist eine noch nie dagewesene Zahl." 1,5 Millionen Kinder stünden kurz vor dem Hungertod, allein im Südsudan seien 40 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Weite Gebiete seien für die Helfer nur schwer zugänglich, etwa der Jemen und die von der Terrormiliz Boko Haram beherrschten Territorien im Norden Nigerias. Insgesamt bezifferte Südhoff den kurzfristigen Finanzbedarf auf 4,4 Milliarden US-Dollar.

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesentwicklungsminister, Hans-Joachim Fuchtel (CSU), erklärte, das Ministerium habe die Mittel für die Region bereits 2016 stark ausgeweitet und wolle dieses Engagement in diesem Jahr in gleicher Höhe fortführen. 2017 seien insgesamt 210 Millionen Euro eingeplant, davon 80 Millionen Euro an bilateralen Hilfen, die vor allem Äthiopien und dem Südsudan zugute kommen sollen. Auch das Auswärtige Amt will sein Engagement - 300 Millionen Euro an humanitärer Hilfe für Afrika in 2016 - fortsetzen, wie eine Vertreterin des Ministeriums berichtete.

Ein Vertreter der Unionsfraktion verwies darauf, dass derart schwere Hungersnöte keine singulären Ereignisse mehr seien, sondern diese sich auch durch Klima- und Wetterphänomene wie El Nino immer mehr häuften. Die SPD-Fraktion legte das Augenmerk unter anderem auf strukturelle Probleme in den Staaten und fragte, was die Region aus den Erfahrungen der letzten schweren Hungersnot im Jahr 2011 gelernt habe.

Linke und Grüne bezweifelten, dass die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, die Staaten besser auf schwere Dürren und Wetterkatastrophen vorzubereiten, gefruchtet hätten. Zudem übten beide Fraktionen scharfe Kritik an der Seeblockade der arabischen Koalition im Jemen, durch die dringend benötigte Hilfslieferungen behindert würden. Sie forderten die Bundesregierung auf, die jüngst bewilligte Lieferung zweier Fregatten an Saudi-Arabien zu stoppen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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