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Aschot Manutscharjan
Kurz Notiert

Der frühere Nahost-Korrespondent der "Zeit", Michael Lüders, gehört zu den bestinformierten deutschen Journalisten im Bereich der internationalen Sicherheitspolitik. In seinem neuen, akribisch recherchierten Buch hat er die Hintergründe des Syrien-Krieges zusammengetragen. Damit bereichert er die Berichterstattung über den Krieg im Nahen Osten, die sich vor allem auf das Leid der Bevölkerung, die Verbrechen des Assad-Regimes sowie seiner russischen und iranischen Verbündeten konzentriert.

Wie kam es zum Krieg und warum unterstützte der Westen von Anfang an die so genannte "Opposition", obwohl in politischen Kreisen bekannt war, dass "die militärisch relevanten Gegner Assads fast ausschließlich Dschihadisten" waren? Bei der politischen Analyse wurden die regionale und globale Geopolitik offenbar ausgeklammert. Tatsächlich finden in Syrien Stellvertreterkriege zwischen Iran und Saudi Arabien sowie zwischen den USA und Russland statt. Vor fünf Jahren, also vor dem Beginn des "Arabischen Frühlings" in Syrien, hatten die USA und Großbritannien mit Hilfe der Türkei und der Golf-Monarchien einen Regimewechsel gestartet, um das Baath-Regime zu stürzen. Allein diese Politik, so der Autor, habe zu Bürgerkrieg und Massenmorden geführt. Heute sei ihr Scheitern offenkundig.

Lüders informative und perfekt geschriebene Analyse ist hochbrisant. Gezielt gestürzt werden sollte ein vergleichsweise gemäßigtes autoritäres Regime, mit dem der Westen bis dahin im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus zusammengearbeitet hatte. Die CIA lieferte Waffen aus den Beständen von Libyens Diktator Gaddafi an die syrischen Rebellen. Diese landeten in den Händen der al-Qaida-Nachfolgerorganisationen al-Nusra-Front und dem Islamischen Staat. Heute unterstützen die Türkei und Saudi-Arabien die Terroristen im Kampf gegen das Assad-Regime. Lüders Fazit: Die Alternative zu Assad lauten nicht Demokratie und "Zivilgesellschaft", sondern Machtübernahme der Dschihadisten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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