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BILDUNG
Annette Rollmann
Zauberformel »brain circulation«

Das Bildungs- und Wissenschaftssystem soll internationaler ausgerichtet werden

Klimakatastrophen, Krankheiten und Kriege kennen keine Grenzen. Umso wichtiger sei es, die Internationalisierung von Bildung und Wissenschaft zu fördern. Darüber waren sich alle Redner in der Debatte am vergangenen Freitag einig - strittig blieb der richtige Weg. Insbesondere Rosemarie Hein (Linke) betonte, die von der Bundesregierung vorgelegte Internationalisierungsstrategie enthalte vor allem "Worthülsen".

In ihrer Unterrichtung (18/11100) bekennt sich die Regierung dazu, dass das Bildungs-, Wissenschafts- und Innovationssystem Deutschlands stärker international ausgerichtet werden muss. Nur so könne man im weltweiten Wettbewerb bestehen und der Verantwortung gerecht werden, zur Lösung globaler Herausforderungen beizutragen.

Isolationismus Claudia Lücking-Michel (CDU) betonte, die neue Strategie komme zum richtigen Zeitpunkt. Sie nannte den Brexit und den Einreisestopp in die USA aus verschiedenen muslimischen Ländern als Beispiele für einen neuen, sich isolierenden Nationalismus, der große Auswirkungen auch auf Forschung und Wissenschaften habe. Nicht Abschottung sondern Offenheit sei Garant für Spitzenforschung.

Ähnlich globalpolitisch argumentierte Kai Gehring (Grüne). Weltweit versuchten fremdenfeindliche und nationalistische Kräfte aus Krisen und Orientierungslosigkeit Kapital zu schlagen. Deren giftiges Rezept sei Ausgrenzung, Abschottung und Renationalisierung. "Das ist unvereinbar mit unserer global vernetzen Welt, in der wir leben wollen." Anders als die Unionsfraktion betonte Gehring aber, dass die Globalisierung aktiv und vor allem auch fair gestaltet werden müsste. Gerade Bildung und Wissenschaft würde Kooperationen ermöglichen. Es ginge nicht darum, den Großteil der Wissenschaftler und Fachkräfte aus dem Ausland auf Dauer ins eigene Land zu holen, sondern es ginge um circuläre Migration, um "brain circulation", denn Abwerbung oder Headhunting würde die Entwicklungschancen ärmerer Länder schmälern.

In ihrem Antrag (18/10359) fordern die Grünen die Bundesregierung auf, ihre Internationalisierungsstrategie zu überarbeiten und die internationale Stärkung der Freiheit von Wissenschaft und Forschung zu einem zentralen Ziel zu machen. In zahlreichen Ländern stünde das Prinzip der Freiheit unter Druck.

Auch Rosemarie Hein (Linke) kritisiert, dass bei den von der Bundesregierung entwickelten Strategien, Deutschland vor allem an seine eigenen Vorteile denke.

Studentenaustausch Daniela de Ridder (SPD) betonte, dass allein aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung 800 Millionen Euro in internationale Kooperationen fließen würden und dass zwölf Prozent aller Studenten in Deutschland aus dem Ausland kämen. Knapp 50 Prozent der deutschen Studenten wiederum würden während ihres Studiums ein oder mehrere Auslandssemester einlegen. Auch damit leiste Deutschland einen Beitrag zur "brain circulation", also dem Austausch von Wissen und Ideen.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) wies auf mehrere internationale Projekte hin und versprach: "Wir gehen die Lösung der globalen Probleme an." Mehr denn je werde eine freie Wissenschaft benötigt. Dies sei das zentrale Element der Internationalisierungsstrategie, eine Wissenschaft, die Grenzen überwindet.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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