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MENSCHENRECHTE
Alexander Heinrich
Sicherheit für Jesiden

Die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad appelliert an die internationale Staatengemeinschaft, eine Schutzzone für religiöse Minderheiten im Nordirak einzurichten. Die übergroße Mehrheit der Jesiden würde ohne eine solche Schutzzusage keine Zukunft in der Region sehen, sagte Murad vergangene Woche im Menschenrechtsausschuss. Das liege auch an einem "Vertrauensbruch" der Peschmerga. Diese seien seit 2014 von außen im Kampf gegen den damals im Nordirak vorrückenden "Islamischen Staat" (IS) unterstützt worden, hätten aber die Jesiden nicht geschützt. Es bleibe die Angst, erneut als "Teufelsanbeter" beschimpft und vertrieben zu werden, sagte Murad. Noch immer seien zudem rund 3.000 jesidische Frauen und Kinder in der Hand des IS.

Die 23-jährige Jesidin wurde 2014 vom IS aus ihrem Heimatdorf in Sindschar verschleppt und gefangen gehalten, bevor ihr die Flucht glückte. Murad, die mehrere Familienmitglieder durch den IS verloren hat, ist eine von mehr als 1.000 besonders traumatisierten und schutzbedürftigen jesidischen Frauen und Kindern, denen das Land Baden-Württemberg mittels eines Sonderkontingents Zuflucht geboten hat. Seit 2016 ist sie UN-Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden des Menschenhandels sowie Trägerin des Václav-Havel-Menschenrechtspreises des Europarates. Murad setzt sich dafür ein, die IS-Taten vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu bringen und zu erreichen, dass die Verbrechen an den Jesidinnen und Jesiden als Völkermord anerkannt werden und die Täter verurteilt werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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