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Gastkommentare - Contra

Besser geeignet

Ist Weiterbildung Aufgabe des Staates?

Schon klar: Wer nicht bereit ist, lebenslang zu lernen, kommt in der heutigen Arbeitswelt nur schwer voran. Und in der von morgen überhaupt nicht. Weniger klar aber ist, warum der Staat das steuern soll. Wer glaubt wirklich, dass jemand vom Amt besser weiß, wohin sich Jobprofile entwickeln? Oder gar, welche Qualifikationen in Zukunft gefragt sind?

Wie für die Erstausbildung gilt auch für die Weiterbildung, dass sie umso sinnvoller ist, je näher sie am Betrieb angesiedelt ist. Allerdings engagiert sich nur jede zweite Firma in diesem Bereich.

Deshalb kann die Strategie nur lauten, jedem Einzelnen die überragende Bedeutung von Weiterbildung zu verdeutlichen. Dies gilt ganz besonders angesichts der Digitalisierung der Arbeitswelt. Das - und nur das - ist Aufgabe des Staates. Die Organisation sollte er dafür besser Geeigneten wie der Privatwirtschaft oder Stiftungen überlassen.

Die Auswahl schließlich müssen wir selbst übernehmen. Es geht immerhin um unsere persönliche Zukunft. Jeder und jede von uns ist aufgerufen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Wir alle haben ein ganz gutes Gespür dafür, was sich am Arbeitsplatz tut. Und wir haben mit unseren Abgaben für die Arbeitslosenversicherung auch ein Instrument, Weiterbildung zu finanzieren - beispielsweise über ein persönliches Weiterbildungskonto, das verfällt, wenn es nicht alle zehn Jahre genutzt wird.

Alternativ könnten auch die Sätze zur Arbeitslosenversicherung gesenkt werden, sobald die Arbeitsagentur Überschüsse verzeichnet. Allein 2016 waren das 4,9 Milliarden Euro - rund ein Siebtel der Gesamtausgaben für Weiterbildung in Deutschland.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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