Inhalt

Hamburg
Mirjam Rüscher
Feinschmecker am Herd

David Neel will die Küchen der Welt erkunden

Fisch, Fleisch und Gemüse, klassisch zubereitet oder in ausgefallenen Kreationen: David Neel liebt gutes Essen. Das war immer so, aber seit er zum Koch ausgebildet wird, sind seine Ansprüche deutlich gestiegen. Wenn Neel diniert, dann richtig: "Drei Gänge mit dem passenden Wein dazu, dafür verzichte ich gern auf Schnitzel oder Gyros zwischendurch", erzählt er. Dass er dann häufig der Jüngste im Restaurant ist, daran hat er sich gewöhnt.

Richtig ausgesucht hat er sich seinen Beruf nicht. Er ist zu ihm gekommen. Neel war in der zehnten Klasse auf der Waldorfschule. Einen Plan, was er künftig machen wolle, hatte er eigentlich nicht. Ein Nebenjob als Küchenhilfe brachte die Entscheidung. "Ich habe mich geschickt angestellt und immer mehr Aufgaben übernommen. Es war zwar nur ein einfaches Gasthaus, aber die Arbeit hat mir gefallen." Neel schickte einige Bewerbungen ab - und hatte plötzlich die Qual der Wahl. "Restaurants und Hotels fragen einen, ob man dort arbeiten will. Koch-Auszubildende werden gesucht", erzählt er. Neel entschied sich für ein Privathotel in Hamburg-Heimfeld und begann seine Lehre.

Die Ausbildung hat das Lebens des jungen Mannes, der gerade 20 Jahre alt geworden ist, schlagartig verändert. Der Tages- und Wochenrhythmus in der Gastronomie bedeuteten eine Umstellung. Die Küche im Hotel hat 365 Tage im Jahr geöffnet. "Natürlich sind die Arbeitszeiten eine gewisse Belastung. Aber ich hab mich vorher darauf eingestellt. Man muss es eben wollen", sagt Neel. Einigen seiner Kollegen fiel das nicht so leicht, in der Branche gebe es viele Abbrecher. Nicht so bei Neel: Irgendwo im Büro zu sitzen, könne er sich nicht vorstellen.

Opfer gebracht Der Job erfordere Opfer, aber Kochen sei eben genau sein Ding. Seine privaten Kontakte beschränken sich mittlerweile auf die Familie und ein paar enge Freunde aus der Schulzeit. "Der Rest sind neue Leute aus der Gastronomie mit ähnlichen Arbeitszeiten." Früher hat er Basketball gespielt, heute bleibt ihm für so etwas keine Zeit mehr. "Ich fahre gern in den Urlaub, aber auch das passiert nicht oft."

Der Job hat bei Neel oberste Priorität. Einige seiner Kollegen gehen zwischen den Schichten feiern, aber für ihn sei das nichts. Die dreijährige Ausbildung verlange einem einiges ab, und auch danach bleibt es ein stressiger Job. "Man muss schwere Töpfe tragen, die Arbeit ist eine große körperliche Belastung. Die meisten Köche, die ich kenne, sind etwa 35. Viele ältere trifft man kaum", erzählt Neel. Diese Zukunft ist für de 20-Jährigen noch weit entfernt, aber dass er bis Mitte 60 noch in der Küche arbeiten wird, damit rechnet er nicht. Die Lust am Kochen - und am Essen - schmälert das alles nicht.

Wanderjahre Neel steht kurz vor dem Ende seiner Ausbildung, auf ihn warten die Wanderjahre. Zwar habe er ein Übernahmeangebot erhalten, es sei aber üblich, verschiedene Küchen kennenzulernen. Dabei seien Zwölf-Monatsverträge normal. "In dieser Zeit lernt man vieles dazu. Jeder Küchenchef hat seine eigene Interpretation", sagt Neel. Er will seinen kulinarischen Horizont erweitern, um langsam einen eigenen Stil zu entwickeln.

Einjahresverträge klingen nach Unsicherheit, doch Neel sieht das anders. "Es gibt viele Möglichkeiten. In Hamburg beispielsweise werden Köche sehr gesucht. Ich mache mir keine Sorgen." Seine Mutter hat ihm kürzlich einen Artikel über ein Roboter-Restaurant geschickt, "aber auch da kochen immer noch Menschen", sagt Neel und lacht. Er möchte sich hocharbeiten, mit Anfang 30 in der Führungsebene ankommen.

Wohin ihn die nächste Station führen wird, weiß der Koch-Azubi, der auch eine US-Staatsbürgerschaft hat, schon. Es geht in die Vereinigten Staaten. Für ein Jahr möchte er mit seiner Freundin nach Austin in Texas. "Es gibt dort eine große Musikszene und viele trendige Bars. Eine große Foodie-Szene wie in Californien und New York gibt es nicht, aber in Texas kann man noch günstiger leben und kulturell ist auch etwas los", sagt Neel. Erste Kontakte hat er bereits geknüpft.Mirjam Rüscher

Die Autorin arbeitet als freie Journalistin in Hamburg.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag