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Zukunftsvisionen
Claudia Heine
»Arbeit weiter denken«

Das Weißbuch Arbeit 4.0 des BMAS

"Der Acht-Stunden-Tag bei einer ununterbrochenen Ruhepause von mindestens 36 Stunden in jeder Woche - so sah früher einmal eine Vision der Arbeit von Morgen aus. Heute gibt es neue Bilder davon: Da ist der kreative Wissensarbeiter, der mit einem Laptop auf dem Schoß am See sitzt", schreibt Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) in ihrem Vorwort zum "Weißbuch Arbeiten 4.0".

Doch weil es nicht so unproblematisch ist, wie es klingt, wenn man mit Laptop am See sitzt und arbeitet, braucht es doch mehr als 200 Seiten, um die Herausforderungen der Arbeitswelt von Morgen zu beschreiben und Grundsätze für ein "Leitbild Guter Arbeit" zu verfassen. Das BMAS sammelt, was ein im April 2015 gestarteter Dialogprozess mit Sozialpartnern, Verbänden, Unternehmen und Wissenschaftlern zusammengetragen hat. Nicht zuletzt geht es dabei auch um die Herausforderungen an den Sozialstaat unter den Bedingungen von Arbeiten 4.0. Die bessere Absicherung von Selbstständigen wird in dem Zusammenhang als eine der zentralen Herausforderungen formuliert. Sie sollten, so heißt es im Weißbuch, wie abhängig Beschäftigte auch in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden. Wie genau, wird jedoch nicht beschrieben.

Außerdem trägt das Weißbuch Vorschläge dafür zusammen, wie die Finanzierung des Sozialstaats nachhaltig gesichert werden kann. Da ist die Rede von der Notwendigkeit, das Abgaben- und Steuersystem den sich auseinander entwickelnden Einkommen anzupassen. Nur wenn genügend Finanzmittel für ein "sozial sachgerechtes Leistungsniveau der Sozialsysteme abgeschöpft" werden, könne Ungleichheit minimiert werden, heißt es dazu.

Konto für Qualifizierung Um die sozialstaatlichen Institutionen im Sinne der Arbeitswelt von Morgen anzupassen, schlagen die Autoren vor, "die Beschäftigungsfähigkeit in der Perspektive des Lebenslaufs zu stabilisieren und Übergänge zu unterstützen". So könne ein "persönliches Erwerbstätigenkonto" junge Erwerbstätige im Sinne eines "Sozialerbes" mit einem Startkapital für Qualifizierung, Gründungsphase oder private Auszeiten ausstatten oder als Langzeitkonto mit eigenen Einzahlungen geführt werden. "Der Sozialstaat und das Arbeitsrecht garantieren auch künftig grundlegende soziale Rechte für alle Arbeitnehmer." Wo es sinnvoll sei, müssten diese erweitert werden und Rechte und Pflichten, die bislang nur für abhängig Beschäftigte gelten, auch auf neue Formen "schutzbedürftiger Selbstständigkeit" übertragen werden, fordern die Autoren. Als Beispiel nennen sie in diesem Zusammenhang die Weiterbildung: "Eine vorausschauende Qualifizierungspolitik wird zum Dreh- und Angelpunkt der Beschäftigungspolitik im digitalen Wandel", heißt es im Weißbuch.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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