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Ortstermin: US-Stipendiaten in Berlin
Franz Ludwig Averdunk
Sauerkraut und kleine Dörfer

Mika (17) hat dazugelernt: "Sauerkraut kannte ich nicht." "Und dass es im Restaurant so lange dauert", steuert Natalie (17) bei: "Bei uns kommt sofort die Bedienung und fragt, ob wir fertig sind." Über das Landschaftsbild hat Henry (18) gestaunt: "So viele kleine Dörfer." Für ihn gehen neun Monate in einer Gastfamilie und mit Schulbesuch im Landkreis Eichsfeld zu Ende. Die beiden Frauen verabschieden sich bald von Aachen.

Sie gehören zu 350 Stipendiaten, die - verteilt auf alle Ecken der Republik - in deutsches Leben eintauchten. Teilgenommen haben sie am Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP). So firmiert der beiderseitige Jugendaustausch, den der Bundestag und der US-Kongress 1983 vereinbart hatten. Anlass war damals der 300. Jahrestag der ersten deutschen Einwanderung nach Amerika.

Jetzt sind die Mikas Natalies und Henrys zum Höhepunkt ihres Deutschland-Jahrs zum Berlin-Tag in die Hauptstadt gereist. Auftakt im Bundestag, wo sie mitbekommen, wie Justizminister Heiko Maas (SPD) geplante Gesetzesverschärfungen zur Eindämmung der Wohnungseinbrüche vorstellt.

Was die Stipendiaten an Deutschland interessiert, spiegeln dann Fragen an Parlamentarier wider: Ob sich das Land verändern müsse, um die Kultur der Flüchtlinge zu akzeptieren? Warum es katholische und evangelische Feiertage gibt, aber keine anderer Religionen? Was tut die Regierung gegen Cyber-Attacken? Wie soll Europa mit Russland umgehen? Neugier, die den Wert des Austauschprogramms deutlich macht. 14 Bundestagsabgeordnete halten fraktionsübergreifend PPP am Leben. Was wohl nicht immer ganz einfach ist. Jedenfalls spricht Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) von "gelegentlichen Schwächeanfällen auf amerikanischer Seite". Die US-Botschafter in Deutschland hätten bei Amtsantritt kaum über PPP Bescheid gewusst. Aber bei ihrem Abschied habe noch jeder anerkannt, dass der Jugendaustausch "eines der wichtigsten Instrumente für die Weiterentwicklung und Pflege der deutsch-amerikanischen Beziehungen" sei.

PPP sei zwar "eines der teuersten", aber "gleichzeitig eines der wirkungsvollsten Programme" des Bundestags, streicht Lammert heraus. Immer mal wieder - wie jetzt nach den US-Wahlen - müssten zwischen Deutschland und den USA "die bewährten Beziehungen neu sortiert" werden. PPP werde da "nicht weniger wichtig, sondern noch wichtiger".

Bernhard Schulte-Drüggelte (CDU) trägt im Ältestenrat des Deutschen Bundestags der Verantwortung für das PPP-Programm. Er ruft die "Gastkinder" dazu auf, sich bei ihren Kongress-Abgeordneten für die Weiterführung einzusetzen. Gerade erst war er mit einer Delegation in Sachen PPP durch die USA gereist und hatte immerhin "den guten Eindruck, dass das Programm weitergeht".Franz Ludwig Averdunk

Aus Politik und Zeitgeschichte

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