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BERUFSBILDUNG
Annette Rollmann
Zu viel am falschen Ort

Linke und Grüne fordern Rechtsanspruch

Ein gemischtes Resümee zogen die Redner aller Fraktionen wie auch Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) in der Debatte über den Berufsbildungsbericht 2017 (18/11969) zur Situation auf dem Ausbildungsmarkt in der vergangenen Woche.

Wanka lobte die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt: "Für 100 junge Menschen, die im Moment einen Ausbildungsplatz suchen", gebe es 104 Ausbildungsplatzangebote. Aber sie räumte auch ein: "In den neuen Bundesländern und in Bayern gibt es zu wenig Jugendliche für die vorhandenen Ausbildungsplätze. In den großen Städten in Nordrhein-Westfalen gibt es viele suchende Jugendliche." Das müsse der Staat lösen, Marktmechanismen würden dieses Problem nicht regeln, sagte Wanka. Auch sprach sie das sogenannte "Matchingproblem" an. Gemeint ist: Auszubildende finden kein passendes Ausbildungsangebot, Unternehmen nicht den geeigneten Lehrling.

Kritisch beurteilte Rosemarie Hein (Linke) die Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Dieser habe sich nicht "zum Besseren bewegt". Die Zahl der Unternehmen, die ausbilden, sei weiter gesunken. Hein forderte einen einklagbaren Rechtsanspruch auf einen Ausbildungsplatz und eine verlässliche Ausbildungsfinanzierung.

Rainer Spiering (SPD) sagte: "Wir treten auf der Stelle." Auf der einen Seite gebe es ein Fachkräfteproblem, das dem Standort schade. Auf der anderen Seite würden viele junge Menschen nicht dahin gebracht werden, wo sie mit ordentlicher Arbeit ordentlich Geld verdienen können. Die Ausbildungsquote habe vor 30 oder 40 Jahren bei großen Industrieunternehmen zwischen 5,5 und sieben Prozent gelegen. Heute könne man froh sein, wenn sie bei VW bei drei Prozent liege, sagte Spiering.

Beate Walter-Rosenheimer (Grüne) kritisierte, dass der Übergangsbereich schon im Jahr 2013 mit 258.000 jungen Menschen viel zu groß gewesen sei. Heute gebe es sogar 300.000 Neuzugänge in diesem "Maßnahmendschungel". In ihrem Antrag (18/12361) bezeichnen die Grünen die Bilanz von Bildungsministerin Wanka "ernüchternd" und monieren, dass es noch immer keine Ausbildungsgarantie gebe.

Nach Ansicht von Uda Heller (CDU) führen sinkende Schulabgängerzahlen und die unausgewogene Studien- und Berufsorientierung an Gymnasien in Richtung akademischer Studiengänge dazu, dass viele Schüler die guten Einkommens- und Karriereperspektiven, die ihnen das duale Ausbildungssystem biete, nicht richtig einschätzen können.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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