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Gedenken
Hans Krump
Helmut Kohl - »Glücksfall für Deutschland und Europa«

Bundestagspräsident Lammert würdigt verstorbenen Altkanzler im Bundestag. Staatsakt der EU in Straßburg

Bei einer Gedenkfeier im Bundestag hat Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) den verstorbenen ehemaligen Kanzler und CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl als "Glücksfall für Deutschland und Europa" gewürdigt. "Wir verdanken es wesentlich ihm, dass sie heute Realität ist, die friedliche Einheit unseres Landes in einem freien und befriedeten Europa", sagte Lammert am Donnerstag in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie den Altbundespräsidenten Joachim Gauck und Horst Köhler.

Lammert sagte über Kohl, die Deutschen könnten sich "glücklich schätzen über Persönlichkeiten seines Formats, um die uns manche Nachbarn beneiden". Der Verstorbene habe gewusst, dass das große nationale Ziel nur über die Einigung Europas zu erringen war. Der Bundestagspräsident erinnerte auch an "Verletzungen, die Kohl selbst erlitt und die er anderen zufügte". Am Schluss sagte Lammert: "Wir verneigen uns in Respekt und Dankbarkeit vor dem Lebenswerk Helmut Kohls, dem Kanzler der Einheit und dem Ehrenbürger Europas." Anschließend erhoben sich die Anwesenden im Reichstagsgebäude zu einer Schweigeminute.

Zuvor hatte Lammert am vergangenen Dienstag in einem Kondolenzschreiben an die Witwe Maike Kohl-Richter ihren Mann als "Persönlichkeit von historischer Größe" bezeichnet.

Helmut Kohl war am Freitag, 16. Juni, in Ludwigshafen im Alter von 87 Jahren nach längerer Krankheit gestorben. Kein Bundeskanzler war bisher länger im Amt als Kohl, der die Bundesrepublik Deutschland von 1982 bis 1998 regierte. Seinen Platz in den Geschichtsbüchern sicherte er sich, als er 1989 und 1990 maßgeblich zur Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschen in einem Staat nach mehr als vier Jahrzehnten Teilung beitrug. Seine Verdienste um die europäische Einigung und deutsche Einheit wurden weltweit gewürdigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilte mit, durch Kohl habe sie das Leben in einer Diktatur verlassen können. Bundespräsident Steinmeier hob in einem Kondolenzschreiben an Kohls Witwe dessen Einsatz für Europas Aussöhnung hervor. "Sein Werk wird Bestand haben." EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker würdigte Kohl als "großen Europäer und sehr guten Freund". Ohne ihn "gäbe es den Euro nicht". Der frühere US-Präsident George Bush senior, der mit Kohl an den Zwei-plus-vier-Verhandlungen zur deutschen Einheit beteiligt war, bezeichnete den Altkanzler als "einen der größten Staatenlenker Nachkriegs-Europas".

Helmut Kohl wird als erste Persönlichkeit in der EU-Geschichte am 1. Juli mit einem europäischen Staatsakt in Straßburg geehrt. Danach wird im Dom zu Speyer ein Requiem für den Verstorbenen gehalten. Den üblichen nationalen Staatsakt gibt es auf Wunsch der Familie Kohl nicht. In Speyer wird Helmut Kohl dann beigesetzt. (siehe Seite 9 und Debattendokumentation)

Aus Politik und Zeitgeschichte

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