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Aufgekehrt
Claus Peter Kosfeld
Der Albtraum des Ministers

Der Verkehrsminister schläft schlecht und schreckt nachts hoch, geplagt von diesem fiesen Albtraum: Da sitzt die Kanzlerin in einer Regierungslimousine von Tesla, lächelt und winkt. Sie hat alte Motoröldosen an den Wagen gehängt, die fröhlich klappern wie bei einer Fahrt in die Flitterwochen und ruft ihm zu, er solle bloß nicht zu spät kommen. Wie meint sie das nur und warum nimmt sie ihn denn nicht mit, wo sie doch befreundet sind? Schweißnass wacht der Minister morgens auf, in seinem verknitterten Karoanzug, den er wieder mal vergessen hat auszuziehen, so spät ist es geworden beim Stammtisch in Ingolstadt.

Alles ist gut, alles ist wie immer, beruhigt sich der Minister, während er vor dem Spiegel die Krawatte zurück nach Nord-Süd rückt. Ein kurzer Blick aus dem Fenster bestätigt die frühmorgendliche Hoffnung: Da hockt sein treuer Fahrer im Dienstwagen und blättert in der ADAC-Motorwelt. Den Audi S8 plus hat der Minister noch nicht lange, ein Schmuckstück bayerischer Ingenieurkunst: V8 Biturbo 4.0 TFSI-Motor quattro tiptronic, 605 PS. Effizienzklasse E, geschenkt. Den alten Diesel hat er mal austauschen lassen, die Journaille kommt ihm sonst wieder mit Schadstoff-Grenzwerten und Gesundheitsfragen. Hat er nicht schon genug gelitten? Die Kanzlerin, ausgerechnet die, regte an, er solle doch mal elektrisch mit gutem Beispiel voranfahren. Hat er ja gleich gemacht, war eng in dem Ding, kein Sound und die Reichweite? Na ja. Liebevoll lässt der Minister den Blick über die Kurven seines bayerischen Dienstwagens gleiten und nimmt sich vor, in der Spur zu bleiben. Bald sind ja Wahlen. Also keine Experimente, denkt der Minister und ist jetzt ganz sicher, dass dies ein guter Tag für Deutschland wird.Claus Peter Kosfeld

Aus Politik und Zeitgeschichte

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