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häusliche gewalt
Claus Peter Kosfeld
Verprügelt und verfolgt

Frauen werden von ihren Partnern geschlagen und wehren sich nicht

Seit genau 20 Jahren ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar. Mit dem 33. Strafrechtsänderungsgesetz wurde 1997 die eheliche Vergewaltigung als Verbrechen eingestuft. Dazu strich der Gesetzgeber damals in Paragraf 177 Strafgesetzbuch (StGB) das Tatmerkmal "außerehelich" für die Vergewaltigung. Die Novelle hat laut einer Expertise des Bundestages zu einem leichten Anstieg der registrierten Fallzahlen geführt, jedoch zeigten Dunkelfeldstudien, dass die meisten Sexualstraftaten in der Ehe nicht angezeigt würden. Erhalten geblieben seien zudem Vergewaltigungsmythen derart, dass den Frauen eine Mitschuld gegeben oder entgegen geltendem Recht behauptet werde, Sex sei Bestandteil der Ehe und könne somit nicht als Vergewaltigung gelten.

Im November 2016 hat das Bundeskriminalamt (BKA) erstmals genaue Zahlen über verschiedene Gewaltformen in Paarbeziehungen vorgestellt, wobei auch hier von einem "nicht unerheblichen Dunkelfeld" die Rede ist, da die zumeist weiblichen Opfer häuslicher Gewalt ihre Lage oft als ausweglos empfänden und sich nicht bemerkbar machten. Den BKA-Zahlen zufolge wurden 2015 gut 127.000 Frauen und Männer von ihren Partnern oder Ex-Partnern verletzt, vergewaltigt, genötigt, bedroht, per Stalking verfolgt oder sogar getötet.

Zu knapp 82 Prozent waren Frauen die Opfer. Es seien auch "subtile Formen" der Gewalt festgestellt worden, darunter Demütigungen, Beleidigungen, Einschüchterungen sowie ferner psychische, physische und sexuelle Misshandlungen bis hin zur Vergewaltigung.

Nach Informationen des Bundesverbandes Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) sehen Frauen oft aus Scham und Angst davon ab, ihre Rechte einzufordern und Hilfe zu suchen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe Gewalt als eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen benannt.

Laut einer 2004 veröffentlichten, repräsentativen Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums haben rund 25 Prozent der in Deutschland lebenden Frauen schon einmal Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt. Ähnliche Ergebnisse brachte nach Angaben des Ministeriums eine 2014 veröffentlichte, repräsentative Studie der Europäischen Grundrechteagentur. Die Übergriffe reichen dabei von "wütendem Wegschubsen" und Ohrfeigen über Schläge bis hin zu Waffengewalt.

Eine Studie "Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen" von 2009 habe zudem ergeben, "dass auch Frauen in mittleren und hohen Bildungs- und Sozialschichten in einem viel höheren Maß Opfer von Gewalt werden, als dies bislang bekannt war". Frauen werden also nicht nur in sozialen Brennpunkten misshandelt. Als "Risikofaktoren" benannt werden Trennungen sowie Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend. Laut der Studie von 2004 können auch Kinder als Auslöser für häusliche Gewalt angesehen werden. So gaben 20 Prozent der Frauen mit Gewalterfahrung in der Partnerschaft die Geburt des Kindes und zehn Prozent die Schwangerschaft als Auslöser der Gewalt an.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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