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Gastkommentare - Contra
Henrike Roßbach, "Frankfurter Allgemeine Zeitung"
Leicht ein Irrweg

Mehr gemeinnützigeR Wohnungsbau?

spaß macht es derzeit nicht, in den Städten und Metropolregionen eine Wohnung zu suchen. Die Mieten und Immobilienpreise sind rasant gestiegen, selbst Doppelverdiener mit Durchschnittsgehältern können sich viele Viertel in Berlin, Frankfurt, München oder Hamburg nicht mehr leisten. Noch härter trifft es Geringverdiener. Viele sehen in mehr Sozialwohnungen den Königsweg. Doch die Erfahrungen mit sozialem Wohnungsbau sind mittelprächtig. Wenn der Staat großformatig baut, kann das grandios schief und an der Nachfrage vorbei gehen. Brennpunktquartiere bezeugen solche Irrwege.

Besser als der staatliche Betonmischer wäre es zum einen, das Bauen wieder günstiger zu machen: Durch die konsequente Vergabe öffentlicher Grundstücke nach Konzept statt zum Höchstpreis. Durch die Senkung der Grunderwerbsteuer. Durch steuerliche Anreize für den Mietwohnungsbau, weniger kostentreibende Vorschriften zu Energie, Stellplätzen oder Aufzügen und durch innovative Eigentümerkonzepte. Auch durch weniger Bürokratie - Stichwort: 16 Landesbauordnungen. Modulares Bauen, Typengenehmigungen, Verdichten und Aufstocken, Sozialquoten für Bauentwickler und befristete Baugenehmigungen, damit Investoren Grundstücke nicht liegen lassen, in der Hoffnung auf weiter steigende Preise - all das wird nicht konsequent genug genutzt. Zum anderen ist es generell effizienter, die Wohnungssuchenden zu fördern statt die Wohnungen: Wer seine Wohnkosten nicht selbst bestreiten kann, muss regelmäßig angepasstes Wohngeld bekommen. Und denen mit guten Jobs, aber hohen Lebenshaltungskosten, muss der Stadt schlicht mehr lassen von ihrem Geld. Dann könnten sie Eigenkapital ansparen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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