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Bernd Haunfelder
Zum Tod von Heiner Geißler

In politischen Debatten scheute er keine Konfrontation, zuletzt aktiv wurde er als Schlichter bei Tarifverhandlungen und dem Großprojekt "Stuttgart 21". Am 11. September ist der CDU-Politiker Heiner Geißler im Alter von 87 Jahren gestorben. In der Öffentlichkeit trat er zuletzt bei der Beerdigung von Alt-Kanzler Helmut Kohl (CDU) auf. Geißler war Jurist, aber auf vielen Feldern beschlagen. Mitte der 1950er Jahre hatte der im schwäbischen Oberndorf am Neckar geborene Geißler zur CDU gefunden.

Seine politische Karriere begann 1965 mit der Wahl in den Bundestag, richtig wahrgenommen wurde er erst seit 1969 als reformfreudiger rheinland-pfälzischer Sozialminister unter Ministerpräsident Kohl. 1977 übertrug CDU-Chef Kohl ihm als Nachfolger Kurt Biedenkopfs das Amt des Generalsekretärs. Mit der Verabschiedung des Grundsatzprogramms setzte Geißler Maßstäbe und stellte die Weichen in Richtung Moderne. Er war in den 1980er Jahren vielleicht noch mehr als Kohl das Gesicht der Christdemokraten, ganz bestimmt aber ihr Vordenker.

Von 1982 bis 1985 Bundesfamilienminister, gehörte Geißler von 1965 bis 1967 sowie von 1980 bis 2002 dem Bundestag an. Dass er sich 1989 anschickte, seinen Mentor zu stürzen, hat ihn das Amt und die Freundschaft Kohls gekostet, nicht aber seiner Reputation geschadet. Der Freund mancher Überzeichnung blieb bis zu seinem Tod ein gefragter öffentlicher Gesprächspartner und ein scharfzüngiger Verkünder unbequemer Wahrheiten.

Als streitbaren Parlamentarier und leidenschaftlichen Debattenredner würdigte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) den Verstorbenen. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel nannte Geißler einen der markantesten Köpfe der CDU. Er sei intellektuell herausragend, rhetorisch brillant und streitbar gewesen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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