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Aufgekehrt
Eva Bräth
Ehe mit keinem für alle

Die Hochzeit, für die Romantiker unter uns gilt sie als der schönste Tag im Leben. Blöd nur, dass man dafür erst einmal den Traumpartner finden muss, die oder der immer das Besteck richtig herum in die Spülmaschine einräumt, täglich das Bad wienert und gleichzeitig Komplimente säuselt. Daran soll es nicht scheitern, hat eine Frau in Italien gedacht und sich kurzerhand selbst das Ja-Wort gegeben. Weißes Kleid, Rosen und eine Torte mit eigenem Konterfei drauf, eine formidable Feier hat sie auf die Beine gestellt. Und das Beste: Ihr Bund ist wirklich fürs Leben. Konflikte und Scheidung sind ausgeschlossen.

Auch in der Politik wäre das Modell praktisch. Zack, nach der Wahl verbündet sich jeder mit sich selbst, eine Minderheitsregierung organisiert die Partys, wer will, feiert mit. Viel lebendiger sind die Feiern, wenn nicht feststeht, wer mit wem tanzt. Als der Bundestag die "Ehe für alle" so beschlossen hat, gab´s sogar Konfetti! Außerdem: Keine lästige Partnersuche, kein sozialer Druck, schnell eine präsentable Neubeziehung einzugehen. Und kein Onkel Horst, der auf Familientreffen herumstänkert. Von der anstrengenden Kennenlernphase mit diesen Speed-Dating-Treffen ganz zu schweigen. Ständig will dieser Typ mit den langen Haaren über Verbrennungsmotoren reden. Und der andere sah auf den Schwarz.Weiß-Fotos so nett aus, ist aber vom Breitbandausbau besessen! Dabei müsste man erst mal das Gezanke der vergangenen Monate verdauen: Die gemeinen Vorwürfe, man habe den Haushalt vernachlässigt und die Obergrenze nicht richtig zugeschraubt. Ach, wie schön wäre es, nüchtern die Quadratur von Kreisen zu berechnen, ganz allein, ohne rosarote Raute!Eva Bräth

Aus Politik und Zeitgeschichte

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