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Die Bundespräsidenten

Roman Herzog 1994 - 1999

Er gilt als Präsident mit der Ruck-Rede: Der im Januar dieses Jahres verstorbene Herzog (CDU) hatte 1997 in seiner Berliner Rede erklärt, dass angesichts verkrusteter Strukturen ein "Ruck" durch Deutschland gehen müsse, um ein weitverbreitetes Gefühl der Stagnation zu überwinden. Der Staatsrechtler Herzog war seit 1983 Mitglied des Bundesverfassungsgerichts und seit 1987 dessen Vorsitzender. 1996 führte er den 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein.

Johannes Rau 1999 - 2004

"Versöhnen statt Spalten" - diese Maxime des langjährigen SPD-Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens galt auch für seine Amtszeit im Schloss Bellevue. Rau setzte sich für die Integration ein und verband dieses Anliegen mit dem Plädoyer für eine geregelte Einwanderungspolitik. Als erstes deutsches Staatsoberhaupt sprach er vor der Knesset und bat das jüdische Volk und Israel in deutscher Sprache um Vergebung für die Verbrechen des Holocaust.

Horst Köhler 2004 - 2010

Er war Chefunterhändler von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds. 2004 wurde er als Kandidat von Union und FDP zum Bundespräsidenten gewählt und 2009 im Amt bestätigt. 2010 reichte er überraschend seinen Rücktritt ein. Köhler prägte die Formulierung von Deutschland als "Land der Ideen", außenpolitisch setzte er sich für Entwicklung und Armutsbekämpfung auf dem afrikanischen Kontinent ein.

Christian Wulff 2010 - 2012

Der einstige niedersächsische CDU-Ministerpräsident war der bislang jüngste Bundespräsident und auch derjenige mit der kürzesten Amtszeit. Presseberichte nährten den Verdacht der Vorteilsnahme, im Februar 2012 stand die Aufhebung der Immunität im Raum. Wulff trat daraufhin zurück. 2014 wurde er freigesprochen. In seiner Antrittsrede sprach Wulf von der "bunten Republik", Akzente setzte er mit seinem Plädoyer für Integration und mit dem Satz, dass auch der Islam inzwischen zu Deutschland gehöre.

Joachim Gauck 2012 - 2017

In der Flüchtlingskrise warnte er vor einem "Dunkeldeutschland" der Brandstifter, dem das "helle Deutschland" der Hilfsbereiten gegenüberstehe. Außenpolitisch forderte er, dass sich Deutschland "früher, entschiedener und substanzieller" zur Lösung internationaler Konflikte einbringen solle - und in Sachen Menschenrechte nahm der einstige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen gegenüber Russland und China kein Blatt vor den Mund. Seine unverstellte Art brachte Gauck den Vorwurf ein, er agiere zu parteiisch. Aber auch viele Kritiker gestehen ihm zu, dem Amt Ansehen zurückgegeben zu haben, das durch die Rücktritte seiner beiden Vorgänger beschädigt worden war.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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