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Gastkommentare - Contra
Maja Brankovic, "Frankfurter Allgemeine Zeitung"
Eine neue Rolle

droht ein weltweiter Handelskrieg?

D ie US-Wirtschaft gegen Chinas vermeintliche Übermacht auf dem Weltmarkt zu verteidigen - das hat Donald Trump versprochen. Es zeichnet sich ab, dass er Wort hält. Strafzölle gegen chinesische Importe scheinen nur noch eine Frage der Zeit. Stehen die Zeichen also auf Handelskrieg?

Entscheidend wird die Reaktion der Chinesen sein. Schlagen sie zurück, droht die globale Eskalation. Wahrscheinlich ist das nicht. Denn für die Chinesen ist Trumps Abschottungskurs eine riesige Chance. Sie könnten in die Lücke drängen, die ein Rückzug der Amerikaner in die eigene Festung hinterlässt. Mit Trump ist ein transpazifisches Freihandelsabkommen vielleicht nicht zu machen. Doch die Verratenen, darunter die Exportnation Japan, haben ihr Interesse nicht verloren. Lange werden sie wohl nicht warten, wenn sich die Chance auf ein Bündnis mit einem neuen starken Partner bietet. Und auch in Deutschland wenden sich die Hälse schon in Richtung Fernost.

Sicher darf an Pekings bedingungsloser Liebe zum Freihandel gezweifelt werden. Alles werden die Chinesen sich von Trump nicht gefallen lassen. Doch sie wissen auch, was ihnen bei einem offenen Schlagabtausch blüht. Denn: Kaum eine andere Volkswirtschaft der Welt ist so exportabhängig wie China - das unterscheidet sie grundlegend von den USA. Der stockende Welthandel hat schon Spuren hinterlassen: Die Wachstumsraten gingen zurück, die Exportwirtschaft blutet. Ein globaler Handelskrieg käme China teuer zu stehen. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat sich Präsident Xi Jinping in Position gebracht: als Retter des Freihandels im Kampf gegen Amerika. Es wäre eine ganz neue Rolle. Sie ist ihm zuzutrauen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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